Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1907-05-01 · Heft 5 (Mai 1907) · p. 281

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 5 (Mai 1907)
Article
Eine Berliner jüdische Familie aus dem 18. Jahrhundert
Date
1907-05-01
Page
281 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316753-2316759-2338255--16373-2338319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Eine Berliner jüdische Familie aus dem 18. Jahrhundert. 281 Hitzig, aus Ephraim Eberty und Ebers geworden; die von den Juden erworbenen Millionen aber sind den getauften Nachkommen verblieben. Ueber die Herkunft und über die Entwickelung des genannten Daniel Jtzig brachte der verstorbene Dt. Ludwig Philippsohnmseinem „Jüdischen Volksblatt" (1861,VIII. Jahrgang) folgende hübsche Erzählung, die der Herausgeber, der meine Zugehörigkeit zu der genannten Familie kannte, mir vor Jahren für meine Familienpapiere zusandte und wovon ich hier einen Auszug gebe: Die verhängnisvolle Peitsche. Am 15. Juni des Jahres 1731 war in einer kleinen märkischen Stadt großes Leben und Gewühl. Es wurde dort einer der besuchtesten Vieh- und Pferdemärkte abgehalten. Am Abend dieses Tages saßen in einer kleinen Schänke zwei jüdische Jünglinge, die für einen Händler Pferde von Märkisch-Friedland zum Markte getrieben und sich nebenbei mit Maklergeschäften etwas verdient hatten. Sie teilten ihren Geschäftsgewinn: Der Markt war ergiebig gewesen, denn jeder von ihnen erhielt etwa zehn Taler, und außerdem hatten sie zusammen von einem Gutsbesitzer eine schöne Peitsche zum Geschenk erhalten. Der eine Pferdejunge Daniel Jtzig erklärte seinem Genossen Daniel Markus, daß er nicht gesonnen sei, nach der Heimatstadt zurückzukehren. „Ich habe in Märkisch-Friedland weder Eltern noch Geschwister; ich suche mein Heil in der Großstadt Berlin, dort werde ich mit Gottes Hülfe vorwärts kommen." Daniel Markus ließ den Kopf hängen. „Ich habe eine alte Mutter und Schwester daheim, für die ich sorgen muß. Das heute verdiente Geld reicht gerade aus, uw den fälligen Mietszins zu bezahlen. Doch wie Gott will, ich murre nicht, und wenn der Herr will, kann ich auch in der Heimat mein Glück machen." „Recht so," antwortete Daniel Jtzig, „bist ein braver Sohn und Bruder. Wir beide bleiben Freunde auch in der Ferne und als Freundschaftszeichen überläßt Du mir die Peitsche, die wir gemeinschaftlich erhalten. Ich biete Dir kein Geld dafür an, verspreche an Eidesstatt, daß ich alles, was ich über 10 000 Taler verdiene, Dir geben will, wenn Du es jemals forderst."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.