Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Wie wehren wir dem Abfall vom Judentum?
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 272 (sequence 8)
- Language
- German
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272 Zm deutschen Reich. Für diesen Kampf ist es auch gut, wie JustizraL Fuchs in seiner erwähnten Rede sagte, „daß wir unsere Kinder daran gewöhnen, vom Staate nichts Zu fordern, .... sondern , auf eigenen Füßen Zu stehen und im freien Kampf der Kräfte zu bestehen, daß wir unsere Kinder dazu erziehen, mehr nach Ehre als nach Ehren zu streben." Das sollten insbesondere diejenigen bedenken, die Zwar selber davor zurückschrecken, das Odium des Abfalls auf sich Zu nehmen, aber doch ihren Kindern eine Wohltat zu erweisen, ihr Glück zu fördern glauben, indem sie sie taufen lassen. Empfinden sie nicht die moralische Pflicht, ihre Kinder dem Judentum zu erhalten, so sollten sie Zu der Einsicht gelangen, daß sie damit kurzsichtig und töricht handeln. Mit rauher Hand greifen solche Eltern unnötig in das Schicksal ihrer Kinder ein; sie reißen sie heraus aus dem Boden, in dem sie wurzeln, und der deshalb nach menschlichem Ermessen auch die beste Gewähr für ihr Glück und Gedeihen bietet. Kann der Vater die geistige Entwicklung, die Gemütsbedürfnisse seiner Kinder vorhersehen? Die Wege der Vorsehung sind so verschlungen, das Lebensglück des Menschen ist von so vielen unberechenbaren Faktoren abhängig, daß jeder Vater vor der Verantwortung zurückschrecken müßte, in so ernster Sache der Entscheidung seiner Kinder vorzugreifen, sie auszuschließen von dem Erbe, das wir von unfern Vorfahren empfangen haben und dessen Erhaltung ihnen trotz aller Anfechtungen und Kämpfe wahre Befriedigung gewähren soll, wie uns und unseren Vätern. Welcher Vater kann wissen, ob er seinen Kindern den Lebensweg auch nur in materieller Beziehung ebnet, geschweige denn, ob die etwaigen materiellen Vorteile ihnen ein Aequivalent gewähren werden für die zweifellose Schädigung in idealer Beziehung? Gleichsam als Illustration zu dem Gesagten möge eine Aeußerung des Professors der Jurisprudenz an der Universität Würzburg Albrecht Mendelssohn-Bartholdy dienen, die sich im 10. Heft des Jahrgangs 1906 der Zeitschrift „Der deutsche Tierfreund" findet, und die ich den Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus vom 28. 11. 06. entnehme. In einem Aufsatz über „Nötige Tierquälerei" sagt dort Prof. M.-B.: „Es gibt zwei typische Arten des Judenhasses. Die eine Art meint mit dem Juden, den sie haßt, den altgläubigen, in seiner religiösen Kultur fest gebliebenen. . . . der das Gesetz hält und seinen Messias erwartet. Die andere ver-