Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Wie wehren wir dem Abfall vom Judentum?
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 270 (sequence 6)
- Language
- German
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270 Im deutschen Reich. von Juden in Amerika: »Ich freue mich sagen zu können, daß die Juden in den Vereinigten Staaten, während sie ihren Glaubens- und Stammesüberlieferungen treu bleiben, unzertrennlich in das große Heer amerikanischer Bürger einverleibt finb/ Unsere Vorfahren haben seit einem Jahrtausend auf deutscher Scholle gewohnt; sie haben diese Scholle trotz aller Leiden lieb gewonnen. Sie haben sich an den Befreiungs- und Einigungskämpfen unseres Vaterlandes in einem im Verhältnis zu ihrer Zahl hervorragenden Maße beteiligt; sie haben an der Förderung seiner Kultur und Wohlfahrt nach allen Richtungen teilgenommen, und wir sind ihm in Liebe und Treue ergeben, wie es auch unsere Religion uns mit allem Nachdruck gebietet. Der moderne Zionismus ist das Ergebnis der Anfeindungen und Verfolgungen, denen unsere Stammesgenossen, besonders iw Osten Europas, ausgesetzr sind. Aber der Traum unserer Väter, einst zurückzukehren in das Land der Verheißung, ist Längst verflogen. Wir sind Deutsche und wollen Deutsche sein. Unser Nariona^gefühl ist deutsch, und eine jüdisch-nationale Frage existiert nicht für uns. Seinem uns die Pforten des Ghettos geöffnet sind, haben wir uns überraschend schnell angepoßt an unsere Umgebung. Unsere Erziehung, unsere Bildung, unsere Sitten, unsere Empfindungen und Anschauungen sind deutsch, und wir wollen in allem eins sein mit unseren christlichen Mitbürgern — nur unsere Väter und unfern Glauben wollen wir nicht verleugnen und unsere Erinnerungen mcht preisgeben. Es entspricht einem tiefen menschlichen Bedürfnis, daß wir den geschichtlichen Zusammenhang mit der Vergangenheit, in der wir wurzeln, zu ergründen und uns derrelben bewußt zu bleiben suchen. Wir nennen das Pietät, und wir empfinden diese Pietät als eine moralische Pflicht. Und so werden wir, sofern unser Gefühl nicht irregeleitet und unser Pflichtbewußtsein nicht abgestumpft ist, die Liebe und Treue zu unserer Glaubensgemeinschaft uns erhalten, und wir werden dadurch in unserer Vaterlandsliebe und in unserem deutschen Nationalitätsgefühl ebenso wenig beeinträchtigt, wie andere Volksklassen auf deutschem Boden, seien sie stavischen oder germanischen Ursprungs. Ja, wir dürfen sogar sagen: Da die Intensität der Vaterlandsliebe und der Treue zum Glauben von derselben Vorbedingung abhängt, nämlich rwn der größeren oder geringeren Tiefe des Gemütes, so ist