Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Wie wehren wir dem Abfall vom Judentum?
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 268 (sequence 4)
- Language
- German
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268 Im deutschen Reich. Leistungen unsrer Vorfahren immer wieder mit Nachdruck hinzuweisen, sondern um den Feind in unsrer Mitte zu bekämpfen, nämlich den in weiten Kreisen unsrer Glaubensgenossen herrschenden Kleinmut, den Mangel an Selbstachtung. Das würdevolle Selbstbewußtsein ihrer Ahnen ist ihnen verloren gegangen, sie fangen an, sich ihrer Zugehörigkeit zum Judentum zu schämen, aus keinem anderen Grunde, als weil unsre Gegner uns schmähen und beschimpfen, uns oft mit Geringschätzung und Mißachtung begegnen. Sollen wir deshalb die Fahne, unter der unsre Väter gekämpft und geblutet haben, sinken lassen? Das wäre ein Beweis wirklicher Minderwertigkeit, dessen wir uns in der Tat zu schämen hätten. Daß viele Juden durch den Maßstab, mit dem unsre Gegner uns messen, in ihrer Selbstachtung und ihrer Schätzung des Judentums so stark beeinträchtigt werden, das ist aber nur möglich, weil sie die Geschichte unsres Volkes nicht kennen oder die Bedeutung seiner Leistungen niemals würdigen gelernt haben. Wie könnte derjenige, der sich dieser Bedeutung bewußt ist, das Erbe, das unsre Väter uns hinterlassen haben, nicht in hohen Ehren halten, wie könnte er es von sich werfen wie ein altes, wertloses Gewand! Wie sollte der nicht mit Stolz empfinden, ein Nachkomme solcher Ahnen in der Gegenwart zu sein! Das ist ein Stolz, der nicht aus hoher Selbsteinschätzung entspringt, der nichts mit Ueberhebung zu tun hat, sondern sich sehr wohl verträgt mit persönlicher Bescheidenheit. „Es rühme sich der Weise nicht seiner Weisheit und der Starke nicht seiner Stärke", sagt der Prophet. Aber wohl steht es uns an und ist es unsre Ehrenpflicht, die Leistungen unsrer Vorfahren, die unverdient ermaßen herabgesetzt und verdunkelt werden, in das richtige Licht zu setzen Es ist das ein Stolz, der wohl kaum an die Oberfläche des Bewußtseins kommen, geschweige denn zum Ausdruck gebracht werden würde, wenn wir nicht gerade wegen unsrer Abstammung als minderwertig angesehen und geschmäht würden, ein Stolz, dessen wir uns nur als Waffe zur Abwehr und Verteidigung, als Mittel zur Bekämpfung des eignen Kleinmuts und der mangelnden Selbstachtung bedienen und bedienen müssen. Unsrer Ahnen uns wert, unsrer Vergangenheit uns würdig zu erweisen, das ist unsre ehrenvolle Pflicht! Unsre Traditionen zu pflegen, das Bewußtsein des geschichtlichen Zusammenhangs mit unsren Vorfahren in uns wach und lebendig zu erhalten, das ist unsre schöne und beneidenswerte Aufgabe! Schmachvoll wäre es für uns, wenn