Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Wie wehren wir dem Abfall vom Judentum?
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 267 (sequence 3)
- Language
- German
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Me wehren wir dew Abfall vom Judentum? 267 Welt entfernt würde, dann erfüllt mich Staunen darüber, daß nicht die ganze zivilisierte Welt beherrscht wird von dem Bewußtsein der großen Schuld, die sie dem jüdischen Volke gegenüber hat." Und Carmen Sylva, die Dichterin auf dem Königsthrone, die im diesjährigen Januarheft der Zeitschrift „Mode von heute" Erinnerungen an den Bonner Philologen Jacob Bernays veröffentlicht, knüpft daran ein geradezu begeistertes Urteil über Juden und Judentum. Mit Bezug auf die Brbel sagt sie: „Wir vergessen manchmal, daß wir von der Bibel, diesem wunderbarsten aller Bücher, leben und zehren, daß wir ganz leicht alle Bücher, außer dieser Lebensquelle, entbehren könnten. Das ist Wahrheit und Dichtung, wie sie nie wieder erstehen kann! .... In dunklen, schlaflosen Nächten ist nichts so trostreich wie Jesajas und Jeremias und viele Stellen in den anderen Propheten. Man kann sich nie satt daran lesen, wenn alle anderen Bücher verstummen und keinen Trost gewähren. Es ist eigentlich ganz unnötig, andere Andachrsbücher zu schreiben, man ese nur die Propheten! Dort steht alles Ecdenleid gebucht, und die würdevolle Klage dazu, mit der man sein Herz erleichtern kann. Es ist sonderbar — wir leben und zehren alle von der Bibel und gestatten uns, das Volk zu verachten, welches das Buch der Bücher hervorgebracht." Und weiterhin: „Wir sind ja aus dem Judentum hervorgegangen, warum wenden wir uns ab und verleugnen unsre Herkunft? Wenigstens unsere geistige Herkunft ist dort und nirgends anders." Und weiter: „Wir sind von früher Kindheit daran gewöhnt, an Moses zu denken, so daß wir nicht mehr genug über seine Riesengestalt staunen. Nur wenn sie uns in Michelangelos Zügen entgegentritt, erfassen wir sie noch einmal, da ein Genie das andere verstand und ihm über die Jahrhunderte hinaus den rechten Ausdruck verlieh. Er stellte bildlich die höchste Kraft dar und tat wohl daran; denn in Moses ist wohl die höchste menschliche Kraft gewesen, die aus Erden erschienen ist. Sein Werk steht, da alle anderen zugrunde gegangen sind. Riesenvölker, ungeheure Zivilisationen sind weggefegt, das Volk Moses* steht." Nicht um uns der Verdienste unsrer Väter zu rühmen, auch nicht um unsre Feinde zu bekehren, die ja auch unter der Wucht unumstößlicher geschichtlicher Tatsachen selten ihre Meinung ändern, erscheint es nötig, auf die unvergleichlichen