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Im deutschen Reich · 1907-04-01 · Heft 4 (April 1907) · p. 236

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 4 (April 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-04-01
Page
236 (sequence 8)
Language
German
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Im deutschen Reich. 236 zu bewirken gewesen, wohl aber davon, daß sich die „Post" bemüht, uU ausgeprägt antisemitisches Blatt Zu gelten und derartig grsiunle Abonnenten Zu gewinnen. Der Vorsitzende der „Wirtschaftlichen Vereinigung", Lieb ermann von Sonnenbergverzeichnet den Austritt der Mitglieder der Reformpartei mit Genugtuung, weil dadurch vorgeblich ein geschlossenes Vorgehen aller Mitglieder verbürgt werde. Das wird aber von der „Kreuz- Zeitung" mit dem Bemerken bestritten, daß die Vereinigung sozialpolitische Anträge eingebracht habe, die unvereinbar seien mit den politischen Grund ans ch auungen der der Vereinigung angehörenden Bauernbündler und Mitglieder des Bundes der Landwirte. Das ist aber nicht die einzige „Unstimmigkeit" in diesem politischen Potpourri, das mit weit größerem Recht sich „Wirtschastliche Veruneinigung" nennen könnte und deren Mitglieder von dem Reichskanzler ebenso wenig wie die christlichsoziale Anhängerschaft Stöckers mit ihren 7 Vertretern christlicher Arbeiterorganisationen als zuverlässige Stützen der Regierungspoluik betrachtet werden können. Es ist vielmehr anzunehmen, daß der Kanzler über die Konkurrenz der Parteien bei der Fortsetzung der Sozialreform genau so denkt, wie die ehemals offiziösen „Hamburger Nachrichten", die sich über dieses „Wettrennen" lustrg machen. Das genannte Blatt meint, daß, wenn sich durch die jetzt betriebene Sozialreform die Versöhnung der Arbeiter mit der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung hätte erreichen lassen, dieser Erfolg wenigstens tu seinen Anfängen wahrnehmbar sein wüßte. Was das Hamburger Blatt aber nicht hinzusügt, das ist, worauf die Reichsregierung bei diesem Wirrsal schließlich doch kommen muß -- daß das einzige Mittel zu einer erfolgreichen Politik, eine Ne.-ordnung der Verwaltung nach neuzeitlichen Grundsätzen und Verwirklichung der Gleichberechtigung aller Stände und Konfessionen wäre. Bei dieser Sachlage würde für die deutschen Juden nichts verhängnisvoller sein, als eine Verärgerung, die sie veranlassen würde, auf politische Betätigung zu verzichten, und sich in den Schmollwinkel zurückzuziehen. Wir sind nicht nur Juden, fordern auch Deuische und haben als solche nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, uns politisch zu betätigen, nicht von einem einseitigen Gesichtswinkel aus, sondern nach einer von Vor-

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