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Im deutschen Reich · 1907-04-01 · Heft 4 (April 1907) · p. 235

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 4 (April 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-04-01
Page
235 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 235 stehenden Parteien kämpfen also nur für ihre eigene Sache, wenn sie im Antisemitismus den Feind bekämpfen, der nicht nur die Ghettofchranken wieder aufrichten, sondern das „historisch Gewordene", die ganze Romantik der mittelalterlichen Raubritter- und Zunftzwangszeit zurückführen, und stärken will. Daß nicht alle Mitglieder der „Wirtschaftlichen Vereinigung" Judenfeinde sind, daß man weder den Braunfchweiger Abgeordneten v. Damm, noch alle der „Wirtschaftlichen Vereinigung" beigetretenen, in den Reichstag erstmalig gewählten Abgeordneten der „Mittelstands-Vereinigung" als Antisemiten bezeichnen darf, ist bekannt. Antisemitismus und politischer Rückschritt sind dennoch unzertrennlich und nur dann zu hemmen, wenn man, wie Barth treffend sagt, „das ganze Recht" hat. Wenn die liberalen Parteien ihre kleinen Meinungsverschiedenheiten bei Seite lassen, sich fester an einander schließen und weniger sich gegen das rote Tuch stürzen als gegen ihren Feind wenden, der selbst erklärt, rechts zu stehen, dann wird die Regierung sich ihren billigen Forderungen sicher nicht verschließen. Sie wird es um so lieber, als das Zentrum seine Oppositionsstellung, die seine Volkstümlichkeit noch fester begründet hat, kaum billigen Kaufs verlassen würde, die rechtsstehenden Parteien aber von Tag zu Tag ihre Forderungen überschrauben und unendlich schwerer zu befriedigen sein würden als die Liberalen. Daß die^mit Liebermann v. Sonnenberg gründlich Zerfallene antisemitische Reforwpartei ihren Austritt aus der „Wirtschaftlichen Bereinigung" vollzogen und, uw in den Kommissionen Vertretung zu finden, sich der Reichspartei angeschloffen hat, ist ebenso wenig auffallend, als daß ihr dort eine Zuflucht gewährt wurde. Das Organ dieser freikonservativen Partei: „Die Post^ liegt schon seit längerer Zeit in Fehde mit der ^Staatsbürger- Zeitung" und dem „Reich", nicht etwa, weil diese Organe Stöckers ihr etwa zu rückschrittlich gesinnt sind, sondern eher aus dem entgegengesetzten Grunde. Der Verlag der „Post" hat ein Zirkular versandt, in dem er konservative Vereine und Kreise zuw Abonnement mit dem Bemerken aufforderte, daß die ^Staatsbürger-Zeitung" demnächst ihren antisemitischen und konservativen Charakter verlieren werde. Davon ist bis jetzt nichts

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