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Im deutschen Reich · 1907-04-01 · Heft 4 (April 1907) · p. 234

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 4 (April 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-04-01
Page
234 (sequence 6)
Language
German
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234 Im deutschen Reich. liberales Herz entdeckt haben sollte, so möge er die konfessionelle Gleichberechtigung mit vollem Nachdruck vertreten. Wenn dies geschehe, dann werde man sehen, daß bei der Regierung wirklich liberale Neigung vorhanden ist. Der Worte seien genug gewechselt, man wolle endlich Taten sehen. Diese an die Regierung gerichtete Mahnung Dr. Barths wäre aber auch an die links stehende« Parteien im Reichstage zu richten, die jetzt mehr als seit langer Zeit in der Lage sind, ihre grundsätzliche Forderung: »Gleiches Recht für Allel" geltend zu machen. Sie haben gemeinsam mit den Konservativen der Parole »gegen Schwarz-rot!" Folge geleistet, und ihre Mitwirkung wird weiterhin nötig sein, wenn die Staatsleiter nicht in den sauren Apfel beißen wollen, sich dem mächtigen Zentrum unbedingt zu unterwerfen. Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert; allzu artige Kinder, die nichts verlangen, bekommen in der Regel auch nichts. Welchen Lohn die Liberalen zu fordern haben, kann aber kaum zweifelhaft sein, wenn sie das Wort Barths verstehen, daß »man nichts hat, wenn man nicht alles hat", d. h. die volle Gleichberechtigung nicht etwa nur für die deutschen Juden, sondern für alle deutschen Staatsbürger! Wenn es eine alte Wahrheit ist, daß man vom Feinde lernen müsse, dann sollte kein freisinniger Politiker es unbeachtet lassen, daß in den »Deutsch-sozialen Blättern", dem Organ des alten Antisemitensührers Liebermanns v. Sonnenberg, in einem »Unsere Taktik" überschriebenen Artikel rund und offen erklärt wurde: „Die in der „Wirtschaftlichen Vereinigung" zusammengeschloffenen Gruppen haben eine dankbare Aufgabe, die rechte Seite unserer Volksvertretung im Sinne einer das historisch Gewordene ausbauenden nationalen Weltanschaung zu stärken. Das ist die Taktik, die wir zu befolgen haben, wenn wir die deutschsoziale Partei zu einem achtunggebietenden und einflußreichen Machtfaktor unseres öffentlichen Lebens machen wollen. Links steht der Feind!" — Damit bekennt sich die parlamentarische Hauptmacht des Antisemitismus ehrlich dazu, nicht nur die Gegnerin der Juden, sondern vielmehr die des Liberalismus zu sein, dessen vollständiger Zusammenbruch sie zu einem einflußreichen Machtfaktor machen soll. Die links-

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