Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-04-01
- Page
- 233 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. f 38 Der am 2. März in der Generalversammlung des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus^ von Dr. Th. Barth gehaltene Vortrag über „Unsere Stellung zum Antisemitismus in und nach den Reichstagswahlen" gab von dieser Entschlossenheit das beste Zeugnis. Fern von jeder Schönfärberei schilderte der Redner den augenblicklichen ungünstigen Stand der Dinge, folgerte daraus aber nur die Notwendigkeit, unentwegt danach zu streben, daß der Grundgedanke der konfessionellen Gleichberechtigung zur Wahrheit werde. Wenn auch der sogenannte Radauantisemitismus anscheinend abgewirtschaftet habe, so bestehe doch in viel gefährlicherer Form der Antisemitismus, der das öffentliche Leben durchdringe. Die konservativen Parteien und der Bund der Landwirte seien durch und durch antisemitisch. Die konfessionelle Gleichberechtigung sei durch die Verfassung garantiert, in Wahrheit würden jedoch täglich Juden ihrer Religion wegen zurückgesetzt; sie seien von Staatsämtern vollständig ausgeschlossen und ganz besonders in der Armee kränkenden Zurücksetzungen unterworfen. Die Antisemiten seien die größten Feinde des Rechtsstaates. Der Verein sei es seiner Ehre schuldig, keinerlei Konzessionen zu machen, sondern mit voller Rücksichtslosigkeit vorzugehen. Wenn der Verein erst irgend eine Nachgiebigkeit zeige, dann sei es mit ihm vorbei. Lebhaften Beifall fanden besonders die Worte des Redners: „Von dem Grundsätze der staatsbürgerlichen Rechtsgleichheit dürfen wir uns nicht ein Titelchen abhandeln lassen. Wir können uns nicht mit dieser oder jener Konzession abspeisen lassen, sondern wir verlangen das ganze Recht. Vis die staatsbürgerliche Gleichberechtigung bis zum letzten Titelchen erlangc ist, dürfen wir die Waffen nicht niederlegen. Hier liegt einer von den Fällen vor, wo man nichts hat, wenn man nicht alles hat. Unsere Mitbürger israelitischer Konfession können von Rechtswegen verlangen, daß sie in gar keiner Stellung, die irgendwo zu besetzen ist, als Bürger zweiter Klasse behandelt werden. Deswegen kommt alles daraus an, daß man durchaus aufs ganze geht, und daß man sich nicht durch irge-rdwelche halben Maßregeln abspeisen läßt/ In der Diskujsion erklärten sich mehrere Redner mit diesen Ausführungen vollständig einverstanden, und am Schluffe der Verhandlungen erklärte Dr. Barth, wenn der Reichskanzler wirklich sein