Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- Die erste Delegierten-Versammlung
- Date
- 1907-04-01
- Page
- 213 (sequence 13)
- Language
- German
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Die erste Delegierten-Versanrrnlung. 213 Der Vorsitzende tritt der letzteren Behauptung mit der größten Entschiedenheit entgegen. Es sei allgemein bekannt, wie intensiv und erfolgreich besonders der Abg. Cassel im preußischen Abgeordnetenhause bei den Beratungen über das Volksschulgesetz den rückschrittlichen Vorschlägen entgegengetreten sei. Ihm sei es in allererster Reihe Zu danken, wenn bei dieser Gelegenheit das größte Unheil abgewendet wurde. Prof. Dr. Badt-Breslau zieht darauf seinen Antrag Zurück. Justizrat Nürnberg-Lissa wendet sich einerseits gegen die Wahl von sozialdemokratischen Abgeordneten, empfiehlt aber andererseits warme Förderung der jüdischen Ansprüche auf Gleichberechtigung und der Gesinnung, „Jude vom Scheitel bis zur Sohle Zu sein." Rechtsanwalt Hugo Sonnenfeld-Berlin: Die Mißstimmung der Juden über die Haltung der Liberalen bei den Stichwahlen kann gefährlicher werden als die Vermehrung der antisemitischen Mandate. Die Freisinnigen verkennen nicht die Bedeutung der Judenfrage. Im Reichstag erscheint aber für den Liberalismus die in sich geschlossene Sozialdemokratie gefährlicher als die sich selbst bekämpfenden Antisemitengruppen; hat doch selbst der 2. Vorsitzende des Abwehrvereins, Archivrat Dr. Winter, aufgefordert, für die Antisemiten gegen die Sozialdemokraten zu 'stimmen. Es ist ein Fortschritt, daß die Antisemiten ihren Antisemitismus in ver Wahlbewegung versteckt haben. Unsere Mitglieder sind durch Aufklärung vor einer Verdrossenheit gegen die Liberalen zu schützen; wir dürfen uns nicht Zurückziehen, sondern müssen überall Mitarbeiten. Dr. Reich-Breslau meint, wer Jude vom Scheitel bis zur Sohle sein wolle, müsse unter allen Umstünden gegen den Antisemiten stimmen. Rechtsanwalt Dr. Curt Rosenberg-Berlin bekennt sich ebenfalls Zu dieser Ansicht, aber auch vom deutschen und liberalen Standpunkte aus, denn der Antisemit sei auch in wirtschaftspolitischer Beziehung rückständig und wirke schädlich. Der Referent, Dr. Jos. Lewy, betont gegenüber einer Aeußerung des Herrn Trier-Darmstadt, daß der Vorstand konsequent den in seinen „Leitsätzen" gekennzeichneten vaterländischen