Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- Die erste Delegierten-Versammlung
- Date
- 1907-04-01
- Page
- 212 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Iw deutschen Reich. mußt bleiben, daß wir noch da sind und Mitarbeiten wollen. Er beantrage deshalb die Annahme folgender Resolution: „Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens richtet an alle deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens das dringende Ersuchen, durchweg — ein jeder in seiner Partei — zu umfassender Bekämpfung des Antisemitismus in die politische Bewegung einzutreten." Rechtsanwalt Gottschalk-Berlin-Schöneberg spricht sich für diese Resolution und gegen den Antrag Badt - Breslau aus. Ludwig Trier-Darmftadt bezeichnet es als Pflicht, gemeinsam mit den christlichen Mitbürgern für die nationale Ehre einzustehen, ohne deshalb die Ehre des Judentums preiszugeben. Rechtsanwalt Dr. Hinrichsen-Hamburg exemplifiziert auf den Fall Rinteln-Hofgeismar und zieht daraus den Schluß, daß die Tendenzen des Central - Vereins aufs Land hinaus getragen werden müssen, um den dort vereinzelt wohnenden Juden die Ueberzeugung beizubringen, daß sie stets am Central-Verein einen festen Rückhalt haben. Rechtsanwalt Dr. Geiger - Frankfurt a. M. meint, die deutschen Juden sollten stets ohne Scheu sich zu der Losung bekennen: „Unter allen Umständen gegen die Wahl antisemitischer Bewerber!" Bankier Löser-Berlin verweist auf den empfindlichen antisemitischen Boykott im gewerblichen Leben, bestreitet aber die Behauptung einer mangelhaften Organisation der liberalen Parteien. Dr. Blumenfeld-Kassel nimmt die liberalen Parteien ebenfalls gegen die Vorwürfe des Referenten in Schutz. Hähnlein-Bochum meint, daß ernstliche Fehler den politischen Parteien nur bei den Stichwahlen nachzuweisen seien. Dr. Wert heim er-Frankfurt a. M. äußert die Ansicht, daß den freisinnigen Parteileitungen klar gemacht werden müsse, daß sie bei Beibehaltung der bisherigen Wahltaktik auf die jüdische Intelligenz und finanzielle Unterstützung verzichten müßten. Rabbiner Dr. Kopfstein-Beuthen meint, die Sachlage sei eine triste; solle sie sich bessern, dann müßten die Juden für sich selbst mit der Losung „Nostra res agitur" eintreten. Die preußischen Abgeordneten jüdischen Glaubens hätten aber die Erwartungen z. B. bei dem Volksschulunterhaltungsgesetz nicht erfüllt.