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Im deutschen Reich · 1907-04-01 · Heft 4 (April 1907) · p. 211

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 4 (April 1907)
Article
Die erste Delegierten-Versammlung
Date
1907-04-01
Page
211 (sequence 11)
Language
German
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Die erste DelegierLen-Versammlung. 211 Berlin, das Wort. Seine Ausführungen wurden bereits an leitender Stelle des März-Heftes dieser Zeitschrift im Wortlaut wiedergegeben. Als Korreferent erörtert sodann Justizrat Dr. Lövinson-Berlin die Frage, wie der neue Reichstag sich den jüdischen Interessen gegenüber verhalten, und ob die Regierung auf liberale Ansprüche Rücksicht nehmen werde. Die Juden hätten keinen Grund, die Hoffnung ans bessere Zeiten anszugeben; habe doch auch der als guter Wetterprophet geltende konservative Abgeordnete v. Zedlitz geäußert, daß es sich als Notwendigkeit erweisen werde, künftig liberaler zu regieren. Der Redner warnt vor einer verletzenden Bekämpfung der Zentruwspartei und weist darauf hin, daß sie im Reichstage sich den Juden gegenüber loyal verhalten habe. Nachdem er noch den Vorwurf zurückgewiesen hatte, als läge es an den Parteileitungen, wenn freisinnige jüdische Kandidaten nicht zum Siege gelangten, schließt er mit den Worten: .„Sie meine Herren Delegierten, werden in Ihren Wahlkreisen mit unserer Zemralleitung zusammen dahin wirken müssen, daß im deutschen Volke, wie in den glorreichen Tagen der Gründung des deutschen Reichs, die allgemeine Rechtsüberzeugung wieder zur Herrschaft gelangt, daß ein durch Vaterlandsliebe, Fleiß, Unternehmungsgeist und emsiges Streben aus -allen Gebieten geistiger Entwicklung ausgezeichneter, wenn auch zahlenmäßig noch so kleiner Bestandteil des deutschen Volkes durch Gesetz und Verwaltung das eine erreicht, was er zu fordern wohl befugt ist: „Die volle Gleichberechtigung in Staat und Gesellschaft." An diese beiden Referate schließt sich eine sehr lebhafte Debatte an, in deren Verlauf zunächst Professor Dr. Badt-Breslau den Antrag stellt: „Der Delegiertentag erklärt, daß es mit der Ehre eines Juden nicht vereinbar ist, einem politischen Vereine anzugehören, der mir Antisemiten oder mit Antisemitenfreunden zum Zweck der Wahlen paktiert." Abgeordneter Dr. Cohn-Dessau empfiehlt angesichts der ^durch den Ausfall der Reichstagswahlen geschaffenen Situation dahin zu streben, daß die Juden, je nach ihrer politischen Überzeugung, sich einer beliebigen politischen Fraktion anschließen, in ^dieser aber so tätig sein müssen, daß deren Mitglieder sich be-

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