Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- Die erste Delegierten-Versammlung
- Date
- 1907-04-01
- Page
- 209 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die erste Delegierten-Versammlung. 209 Berlin vielfach erst zu spät zu erlangen sein würde. In großen Fragen würde aber ein einheitliches Vorgehen sicher Zu erzielen sein. Er lege bei der Abwehr überhaupt das größte Gewicht auf die erziehliche Wirkung und das energische Vorgehen gegen Charakterlosigkeit und Abfall, Zweifle aber nicht, daß die festere Organisation des Central-Vereins sich für die Gesamtheit der deutschen Juden auch hierin von dem größten Nutzen erweisen werde. Hähnlein-Bochum schreibt den Landesverbänden eine große Bedeutung zu, weil seiner Meinung nach dieses Zwischenglied der Zentrale einen Teil der Arbeit abnehmen und auf die Ortsgruppen mächtig einwirken könne. Er gebe dem Ermessen anheim, ob es möglich sei, den Ortsgruppen einen Teil der Beiträge für die Kosten der Veranstaltungen zu überweisen. Br. Apfel-Köln wünscht, daß den Juden, die in kleinen Gemeinden und Dörfern wohnen, größere Aufmerksamkeit, als bisher, gewidmet werde, weil sie in ihrer Vereinzelung jetzt noch jeden Haltes entbehren, meist in übler Lage feien und größeren Schutzes der Abwehrorganisationen bedürfen. Der Vorsitzende entgegnet darauf, daß schon jetzt die Ortsgruppen angewiesen seien, die in ihrem Umkreis vereinzelt wohnenden Glaubensgenossen sich anzugliedern, und daß dies auch von einzelnen Ortsgruppen in dankenswerter Weife bereits angebahnt worden sei. Rechtsanwalt Kalisch-Breslau bemerkt, daß das Verhältnis der Breslauer Ortsgruppe zu dem Central-Vereins- Vorftand seit ziemlich langer Zeit sich bereits in der Weise gestaltet habe, die den vorgebrachten Wünschen für die Ortsgruppen entspräche, da die dortige Gruppe die Kleinarbeit, bezw. die lokalen Angelegenheiten den Tendenzen des Vereins entsprechend selbständig erledige, alle allgemeinen Angelegenheiten aber der Zentrale unterbreite. Hermann Blumenthal-Halle bezeichnet es als wünschenswert, daß die im § 3 des Normalstatutes enthaltene Bestimmung, nach welcher die Wahlen zu Mitgliedern des Ortsgruppenvorstandes der Bestätigung durch den Vereinsvorstand unterliegen, in Wegfall komme, weil darin eine Einschränkung der Selbständigkeit der Ortsgruppe erblickt würde. Der Vorsitzende erteilt die Zusage, daß bei der Ausarbeitung der Neuordnung alle aus der Mitte der Versammlung geäußerten Wünsche möglichste Berücksichtigung finden würden.