Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 176 (sequence 7)
- Language
- German
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176 Iw deutschen Reich. Sozialdemokraten sind. Weit wichtiger aber sei es gewesen, die Zahl der judenfeindlichen Abgeordneten im Parlament herabzumindern. Daß der Verein für Kandidaturen getaufter Juden eingetreten sei, sei eine ungereimte Erfindung: für keinen einzigen getauften Juden wurde Partei ergriffen. Widersinnig waren auch die gegen angebliche „Assimilations-Juden" gerichteten Angriffe, die von derselben jüdischen Seite ausgingen, die vorher vom Vereine die Anregung jüdischer Kandidaturen verlangt hatte. Der Redner beantwortete dann die Frage, was der Vorstand bei der Wahlagitation geleistet habe, soweit es die durch die politischen Wahlverhältniffe gebotene Zurückhaltung gestattete. Er hob dabei rühmend hervor, daß die für diese Leistungen erforderlichen Geldmittel diesmal in reicherem Maße geflossen sind als früher und daß die von den verschiedensten andern Seiten für Wahlzwecke in Anspruch genommene Finanzwelt dennoch sich dabei in dankenswertester Weise beteiligt habe. Was der Verein bei den Wahlen durch seine Vertrauensmänner an Informationen, Verbreitung von aufklärenden Druckschriften und finanziellen Unterstützungen geleistet habe, dürfe nicht unterschätzt werden. Wanderredner konnte er nicht entsenden, denn als Sendboten des Central-Vereins hätten sie für keine einzelne politische Partei wirken dürfen und mit der einfachen Parole: „Wählt keinen Antisemiten!" hätten sie in Parteiversammlungen nichts ausrichten können. Noch stünden die für die Zusammensetzung des Reichstags hochwichtigen Stichwahlen bevor; für diese bedürfe der Vorstand der weiteren Mitwirkung der Vereinsmitglieder. Für sie gelte die Pflicht, hierbei gegen den das Vaterland schädigende Antisemitismus zusammenzustehen. — Diese beifällig aufgenommenen Ausführungen bestätigte der Vorsitzende in markigen Worten durch den Ausdruck der Ueberzeugung, daß die von den Dereinsmitgliedern offenbar gebilligte Arbeit des Vorstandes keine verlorene, sondern auch für die Zukunft von heilsamer Wirkung sein werde. Daran schlossen sich einige geschäftliche Mitteilungen und eine kurze Debatte, in welcher sich im wesentlichen die Herren Holzbock und vr. Heilbrunn, die sich beide als Zionisten bekannten, gegenseitig befehdeten. Die Berliner Ortsgruppe N., NO. hielt am 18. Februar d. I. im Fürstenberg-Saale, Rosenthalerstr. 38, eine Versamm-