Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 175 (sequence 6)
- Language
- German
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DereinsnachrichLerr. 175 Schätze noch späten Geschlechtern zu überliefern. Von dem Baume des Judentums sind junge Reiser verpflanzt worden; der alte Baum ist aber stehen geblieben, und hat sich als ein lebenskräftiger Kulturträger frisch erhalten. Wir aber wollen dafür eintreten, daß seine religiöse Grundlage erhalten bleibe zum Segen für uns und für die Kultur der Menschheit. — Lebhaftester Beifall folgte diesen tiefempfundenen Ausführungen; der Vorsitzende, Herr Justizrat Dr. Horwitz, veranlaßte die Anwesenden, ihrem Dank für den ihnen gebotenen geistigen Genuß durch Erheben von ihren Sitzen Ausdruck Zuverleihen. Demnächst erhielt Herr Rechtsanwalt Dr. Brodnitz das Wort zu einem Vortrage über das Thema „Zum Wahlkampf"*). Der Redner bot Zunächst eine kurze Darlegung der inzwischen bekannt gewordenen Wahlergebnisse, die iw ganzen nicht als unerfreuliche zu bezeichnen feien, wenn man auch keinen Grund zu einem Siegeshpmnus habe. Die große Zahl der erforderlichen Stichwahlen weise vielmehr darauf hin, daß man noch vor vielen schweren Aufgaben stehe. Die Wahlparole des Central- Vereins „Gegen die Antisemiten!" habe sich aus dem Wesen der antisemitischen Bewegung von selbst ergeben. Von jeder Parteipolitik hat sich der Verein ferngehalten, fernhalten müssen; er ging von dem Grundsätze aus, daß die politische Ueberzeugung Sache jedes einzelnen sei, die gemeinsame Sache aber die Bekämpfung der kulturwidrigen und dem gesamten Vaterlande schädlichen Bewegung. In dieser Bekämpfung mußte der Verein nicht nur eine jüdische Sache, sondern eine hohe deutsch-nationale Aufgabe erblicken. Von vereinzelten Stimmen wurde die Kompetenz des Central-Vereins zum Eingreifen in die Wahlbewegung bemängelt, im allgemeinen ist sie aber keineswegs bestritten, sondern auch von nichtjüdischer Seite zugegeben worden, daß es sich hierbei nur darum handle, die staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu schützen „gegen einen schädlichen Fremdkörper im modernen Staatsorganismus". Jüdische Kandidaturen wurden von Vereinswegen aus wohlerwogenen Gründen nicht erstrebt, wenn man auch gern gesehen haben würde, daß im Reichstage einige Juden Sitz und Stimmen hätten, die keine '*) Wir weisen besonders darauf hin, daß zur Zeit der Versammlung die Stichwahlen noch nicht stattgefunden hatten. Wegen des Ergebnisses der Stichwahlen nehmen wir auf die Ausführungen S. 142 Bezug. Die Redaktion.