Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 173 (sequence 4)
- Language
- German
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Vereinsnachrichren. 173 entquollen. Herr I)r. Rieger entgegnete, daß Jacubowski den Zionismus sehr genau gekannt, es aber, ohne sich durch sein Judentum irgendwie für minderwertig zu halten, als eine Pflicht der deutschen Juden erachtet habe, jeden Mangel abzustreifen, um nicht nur gleichberechtigt zu sein, sondern sich den besten Deutschen würdig anzureihen. Mit Entschiedenheit wandte sich dann der Vorsitzende des Central-Vereins, Herr Justizrat Dr. Horwitz, gegen die Aeußerungen des Herrn Br. Auerbach, soweit dieser ein Selbstbemußtsein der Juden verlange, das bis zu der Erklärung gehe: „Wir sind, wie wir sind; so muß man uns gelten lassen, tut man dies nicht, dann schütteln wir den Staub von den Füßen." Das Selbstbewußtsein echter deutscher Staatsbürger stehe viel höher. Wir brauchen unsere Vorzüge nicht selbst in helles Licht zu setzen, noch weniger aber unsere Fehler zu verleugnen; denn wir wissen sehr gut, daß sie in der Hauptsache sämtlich nicht von uns verschuldet, sondern nur Folgen eines ungerechten tausendjährigen Druckes sind, daß sie mehr und mehr in der Freiheit und bei der Mitarbeit an deutscher Kultur verschwinden werden. Selbstgefühl haben wir, Selbstzucht wollen und werden wir üben, niemals aber bei hoffentlich vorübergehender Verkennung unserer Eigenschaften die Flinte ins Korn werfen. Im weiteren Verlause der Debatte bestritt Herr Justizrat Br. Horwitz die Richtigkeit der Behauptung eines anderen Zionisten, daß die jüdische Jugend durchweg auf dem Standpunkte Herzls stehe; er betonte aber gleichzeitig, daß er zwar die Ueberspannung des Selbstgefühls mißbillige, keineswegs aber die Idee des Zionismus als eine „kleine" erachte. Der Gedanke des Central-Vereins habe ebenfalls einen sehr großen Teil der deutschen jüdischen Jugend entflammt, zähle zugleich aber auch viele Tausende gereifter Männer zu seinen Anhängern und wenn Herr Br. Auerbach und einige wenige seiner Anhänger das von dem Central-Verein gewährte Gaflrecht dazu auszunutzen gedächten, um in unseren Versammlungen für den Zionismus Propaganda zu machen, so werde dies von den Führern der zionistischen Bewegung gewiß nicht gebilligt, bestimmt aber von unseren Mitgliedern nicht geduldet werden. Dieser mit lebhaftestem Beifall aufgenommenen Erklärung folgte ein kurzes Schlußwort des Vorsitzenden.