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Im deutschen Reich · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. 172

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-03-01
Page
172 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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172 Im deutschen Reich. Das freundliche Entgegenkommen des Herrn Predigers vr. Paul RiegerinHamburg, ermöglichte es dem Gruppenvorstandtrotzdem, die Versammlung abzuhalten. Herr Dr. Paul Rieger sprach in formvollendeter Weise über »Ludwig Jacubowski und die Tragödie des Juden". Er schilderte in ergreifenden Worten den-Lebensgang des früh dahingeschiedenen Dichters, der aus tiefstem Empfinden den »Judenschmerz" in künstlerischer Form ausgestaltet hat. Als Redakteur der »Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" stand er in den vordersten Reihen der Kämpfer gegen diese kulturwidrige Bewegung und erwarb sich durch eine vielgestaltige literarische Tätigkeit wesentliche Verdienste um die allgemeine deutsche Volksbildung, die von angesehenen christlichen Schriftstellern in anerkannten Schriften voll gewürdigt wurden. Der Vortragende wies aus den drei Hauptschöpfungen Jacubowskis »Werther, der Jude", »Dijak, der Narr", und »Der Roman eines Gottes" sinnig nach, wie Jacubowskis dichterische Behandlung der »Tragödie des Juden" sich aus dem Einzelkampse zur symbolischen Verklärung der modernen Leiden der Gesamtheit entfaltet und er selbst, ein echter Deutscher und ein treuer Jude, erst ein Charakter und dann ein Poet, immer aufwärts gestrebt hat, bis seine Losung »Ascendam!" den erst 32 Jahre alten Schriftsteller „aufwärts" für immer dem Diesseits entführte. Was sich in seinem Wesen und Schaffen harmonisch verschmolz, das könne und solle sich iw Denken und Tun der Mitglieder des Central-Vereins immer wiederspiegeln. Wenn jeder Einzelne ein Deutscher, ein Jude und ein Charakter sei, dann werde die Vereinigung sich bewähren als eine Wacht am Rhein gegen die Kräfte der Finsternis! — Nachdem langanhaltender Beifall den Redner belohnt hatte, dankte ihm der Vorsitzende, Herr Justizrat Guttsmann, im Namen des Gruppenvorstandes und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß der Vortrag viele der Anwesenden veranlassen werde, sich mit den Schriften Jacubowskis vertraut Zu machen. Nach Eröffnung der Debatte erklärte Herr Dr. Auerbach, in der Lösung des Judenproblems, die Jacubowski vor Jahren in den von dem Vortragenden hervorgehobenen drei Werken versuchte, nicht das letzte Wort in dieser Sache erblicken zu können; offenbar habe er die Bewegung nicht gekannt, von der der moderne nationale Jude erfaßt sei, denn seine »Tragödie" sei doch wohl nur der irrtümlichen Empfindung einer vermeintlichen Minderwertigkeit

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