Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 164 (sequence 11)
- Language
- German
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164 Im deutschen Reich. 1905 ein Herr Hans Freytag zu mir, um mit einer Einlage von 50 000 Mk. als Gesellschafter in die „Staatsbürger Zeitung" G. w. b. H. einzutreten. Seitens dieses Herrn ist bis jetzt niemals behauptet worden, daß ich ihm bei seinem Eintritt in die Zeitung unwahre Angaben gemacht habe. Nach dem Eintritt des Herrn Freytag in die Zeitung ging das Unternehmen doch nicht so, wie es wünschenswert war. Zwischen ihm, den anderen Gesellschaftern und mir bildeten sich zwei Gruppen, die sich in der Auffassung über die Tendenz der Zeitung gegenüberstanden. Ich vertrat die Ansicht, daß die Zeitung nur dann, wenn sie stramm antisemitisch bliebe, wie sie es unter meiner Leitung bis dahin war, Aussicht habe, in der Zukunft weiter zu bestehen. Dies wurde bestritten. Die Verhandlungen führten dazu, daß ich mich bereit erklärte, von der Leitung der Zeitung zurückzutreten. Mir wurde mein Gehalt auf einstimmigen Beschluß der Gesellschafter vom Tage meines Austritts ab auf ein Jahr, bis zum 1. Oktober 1906 weiter gezahlt. Schon im Januar 1906 erklärte Herr Freytag, daß er die Geschäfte nicht mehr weiter führen wolle, da der von ihm erhoffte Erfolg nicht eingetreten sei. Die „Staatsbürger Ztg." ist dann an die G. m. b. H. „Das Reiche verkauft worden. Die Gesellschafter haben ihre Einlagen verloren, ich genau so, wie die anderen Gesellschafter." Die mannigfachen Enthüllungen der antisemitischen Gegner Bruhns haben weder die Wähler im Kreise Arnswalde-Friedeberg noch seine konservativen Gönner verhindert, dem ehemaligen Herausgeber der „Staatsbürger Zeitung" und jetzigen Inhaber des noch fragwürdigeren Blattes „Die Wahrheit" wieder zu einem Platze im deutschen Reichstage zu verhelfen, so daß es fast scheint, als ob gewissen Kreisen eine judenfeindliche Gesinnung als die beste Empfehlung gilt. Das hat in unzähligen Fällen der frühere Geschäftsgenosse Bruhns, Graf Pückler-Klein-Tschirne erfahren, weshalb er nicht Schimpfworte genug finden konnte, als er in seiner Versammlung das klägliche Fiasko seiner Reichstagskandidatur im 5. Berliner Wahlkreise erwähnte. Er häl sich natürlich für ebenso berechtigt wie Bruhn, der die Pückler- Versamwlungen geschäftlich ausgenutzt hat, ein Mandat aus den Händen der Reaktionäre zu empfangen. Seine Lage ist aber überhaupt, seit der geschäftskundige Bruhn sich von ihm