Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 159 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 159 judenfreundlicher Wähler Mandate erlangt, die es ihnen ermöglichen, bei passender Gelegenheit wieder Dinge anzuregen oder zu unterstützen, die darauf abzielen, die festgestellte, auf Verfassung und Gesetz beruhende Gleichberechtigung der Juden Zu vernichten oder doch unwirksam zu wachen. Wie Antisemiten vor der Wahl zuweilen um jüdische Stimmen buhlten, davon nur ein Beispiel. Vor der Stichwahl in Kassel wurde dort für die Wiederwahl des deutsch-sozialen AmLsgerichLsraLs Lattmann am 4. Februar in der „Casseler Allg. Ztg." an die Juden mit den Worten appelliert: „Hier geht uns kein Ahlwardt oder Pückler etwas an, wir haben es mit Lattmann zu tun. Derselbe ist kein Antisemit in dem landläufigen Sinne, er will deutsch-sozial wirken und gehört der wirtschaftlichen Vereinigung an. Keine Tat, kein Wort noch Antrag im Reichstag oder sonstwo ist von ihm nachzuweisen, wodurch dem rechtschaffenen Judentum auch nur ein Haar gekrümmt werden könnte, oder wodurch es in seinen Empfindungen hinsichtlich Sitte, Glauben oder Beruf sich verletzt fühlen wüßte. Identifiziert euch doch nicht etwa mit den Inhabern der großen Warenhäuser, für deren gerechte Besteuerung L. eintritt, damit der kaufmännische Mittelstand und das berechtigte Kleingewerbe nicht erdrosselt werde. Im Gegenteil, eure wirtschaftlichen Interessen liegen ja gerade auf der Seite, welcher Lattmann seinen Schutz angedeihen läßt. Darum denkt an eure eigene Existenz, als kleine und mittlere Handels- und Kaufleute, als Glieder des Mittelstandes und denkt an unser aller gemeinsames Vaterland." — Wie viele Mäuse auf diesen Speck gegangen sind, läßt sich schwer feststellen. Daß die von dem mächtigen Bund der Landwirte tatkräftig unterstützten Parlamentarier wie Lattmann, Schack und Raab unter Führung Liebermanns den Juden mehr schaden können als Ahlwardt und Pückler, haben die jüdischen Wähler, die auf diesen Leim gegangen sind, nicht bedacht! Die erwähnten bedauerlichen Vorgänge haben aber doch auch wieder den Beweis geliefert, daß der jüdischen Bevölkerung von Freunden und Feinden eine Bedeutung für das politische Leben beigemessen wird, die ihr Zahlenverhältnis weit überragt. Das läßt sich nur auf den Respekt zurückführen, den sich die Juden in den wenigen Jahrzehnten, die seit dem Fallen der