Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 158 (sequence 5)
- Language
- German
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158 Im deutschen Reich. TakLstock zu dem Finale, dem Abschluß der Handelsverträge, erheben wird, die alte Trompete weiter blasen. Unsere Partitur führt das alte Leitmotiv, das uns geführt hat zur Versammlung von Tivoli, das unser Bundesschiff geleitet hat durch alle Stürme. Wir werden es blasen, daß es nicht bloß bis an die deutschen Grenzen klingt, sondern über alle Meere. Es lautet: „Deutschland, Deutschland über alles in der Welt." Für uns hat dieser Siegestaumel der Konservativen ebenso wie der Zwischenfall, die Veröffentlichung der Keimschen geheimen Briefschaften, nur insofern Interesse, als dadurch die Versuche, das Zentrum mit den Konservativen zu reaktionären Zwecken auszusöhnen, wesentlich erschwert werden. Die Staatsleiter müßten einsehen lernen, daß kein politischer Schachzug das Zusammenhalten aller Konfessionen ermöglicht, während es leicht herbeizuführen wäre, wenn sich die Regierung zu einer gleichartigen Behandlung aller Staatsbürger ohne Berücksichtigung des Religionsbekenntnisses entschlösse. Geschieht dies, dann ist zu erwarten, daß der von der Regierung bei den Reichstagswahlen erzielte Erfolg ein dauernder sein und die begeisterte Stimmung der Massen nicht wieder abstauen wird. Die Regierung kann sich auf die Dauer billigen Forderungen, die iw Grunde soviel bedeuten als „gleiches Recht", nicht nur für Protestanten und Katholiken, sondern auch für uns Juden, nicht verschließen, wenn die Parteileitungen, die bei der Wahlagitation sich nicht gerade mit Ruhm bedeckt haben, im Verlaufe der parlamentarischen Verhandlungen die begangenen Fehler wieder gut zu machen suchen. Wenn die Schmerzen eines Gliedes unbeachtet bleiben, wird zumeist schließlich der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen. Wird der hundertste Teil der deutschen Bevölkerung in der Verwaltung und im Heereswesen fortwährend planmäßig zurückgesetzt, dann muß es doch früher oder später die ganze Bevölkerung empfinden, das nur bei einer Zweifellosen gleichmäßigen Behandlung der Bürger der verschiedensten Bekenntnisse Justiz und Verwaltung das volle Vertrauen des ganzen Volkes genießen und dadurch das Wohl des Staates verbürgen können. Selbst antisemitische Kandidaten haben bei der Hauptwahl und bei den Stichwahlen geglaubt, ihr ursprünglich judenfeindliches Parteiprogramm in die Tasche stecken zu müssen und haben dadurch — wir sagen offen — leider mit Hilfe jüdischer und