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Im deutschen Reich · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. 156

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-03-01
Page
156 (sequence 3)
Language
German
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156 Im deutschen Reich. sich dadurch selbst zwischen zwei Stühle setzte. Es wäre aber auch verfehlt, wenn sich die Freisinnigen herbeiließen, Teile der Errungenschaften des „Völkerfrühlings" preiszugeben, oder wenn das Zentrum sich entschlösse, sich nicht mehr auf den Paritätsgrundsatz zu versteifen, um sich regierungsfähig zu machen. Wenn die Leiter des Zentrums wirklich nach Erlangung zahlreicher Mandate daran gedacht hätten, zur Bildung einer Regierungsmehrheit die Hand zu bieten und mit Konservativen und Antisemiten zu paktieren, so dürfte ihnen durch die von dem „Bayerischen Courier" dieser Tage veröffentlichten Privatbriefe des „Geschäftsführers des Flottenvereins", General Keim, dazu die Lust vergangen sein. Aus dem Inhalt dieser nach Annahme der Staatsanwaltschaft auf strafbare Weise an die Oeffentlichkeit gelangten Briefe geht nicht, wie anfangs behauptet wurde, hervor, daß General Keim ein Bündnis mit den Sozialdemokraten erstrebt hat, sondern daß er eine Annäherung der Regierung an die nationalgesinnten Liberalen fördern zu können gemeint hat. Am 3. Januar d. I. schrieb er an den freisinnigen Professor Eickhoff: „Ich habe den Fürsten Bülow darauf aufmerksam gemacht, daß die Regierung die Güte haben muß, dem Steuer einige Grade nach links zu geben und vor allen Dingen dafür zu sorgen, daß die Konservativen und der Bund der Landwirte nicht Sonderpolitik treiben. Wir haben auch von Ihnen gesprochen, und hält auch der Fürst Bülow Sie für den geeigneten Mann, die freisinnige Partei in dem nationalen Fahrwasser dauernd zu erhalten." In Briefen an den General von .Liebermann in Kassel und den Bankdirektor Liebert in Breslau bezeichnet er es dagegen als eine Pflicht der Flottenvereins-Leute, gegen das Zentrum Front zu machen. Ferner bedauert er in einem Briefe vom 1. Februar 1907 an Dr. Hopf-Dresden die pflaumenweiche Haltung der Regierung dem Zentrum gegenüber und erklärt: „Es unterliegt keinem Zweifel, es wird mir auch von anderer Seite bestätigt, daß gerade der furor protestanticus in Mitteldeutschland so ungemein viel dazu beigetragen hat, den Philister aufzurütteln." Dieser Ruf „Philister über dich!" dürste aber das Zentrum aufrütteln, wie es die deutschen Juden politisch geweckt hat, als man sie durch die Androhung des furor tentonicus“ einschüchtern wollte. Wenn der Reichskanzler wirklich daran gedacht haben sollte, statt „dem Steuer einige Grade nach links zu geben", in

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