Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 155 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 155 Bewegung gehemmt Ijat, sich des Siegesjubels entschlagen zu müssen glaubte, oerdient immerhin Beachtung. Statt den Zuwachs der antisemitischen Stimmen in der deutschen Volksvertretung durch Ausbrüche der Freude zu feiern, ließ Stöcker in seinen beiden Organen „Staatsbürger-Zeitung" und „Reich" vor solchen Ergießungen in einem gleichlautenden „Irret euch nicht!" überschriebenen Artikel ernstlich warnen. Es heißt in diesem Aufsatz, der in jeder Zeile die Feder des „politischen Pastors" erkennen läßt, wörtlich: „„Als 1839 der englische Chartismus vor Gericht eine harte Niederlage erfuhr, frohlockte die Menge der Politiker, nun sei das verderbendrohende proletarisch-revolutionäre Gespenst beschworen. Da war es Carlyle, der in die Jubeltöne mit der Schrift seines bitteren Zornes hineinfuhr: „Den Niagara hinab — und was dann?" Es ist not, auch heute ein ernstes „Irret euch nicht!" unserer öffentlichen Meinung, unseren preußischen Politikern zuzurufen. Nur dann ist die Niederlage der Sozialdemokratie für sie der Anfang vom Ende, wenn die ernüchterten Arbeitermasfen ein neues Vertrauen fassen: ein neues Vertrauen zu einer Regierung, die nicht nur wohlwollend für den Arbeiter, sondern auch entschlossen mit dem Arbeiter regieren will, d. h. zunächst Arbeitskammern mit starken Befugnissen errichten will. Und ein neues Vertrauen zu einer anderen Arbeiterbewegung, die aus christlichnationalem Grunde kämpft." Daß die letzten Zeilen nicht unseren Anschauungen entsprechen, wenn auch im übrigen die Schilderung der politischen Lage uns zutreffend erscheint, bedarf keiner Auseinandersetzung. Mit einer „anderen Arbeiterbewegung" wird man sicher den dringend zu wünschenden sozialen Frieden so wenig erzielen, wie damit, daß man „niederreitet, was entgegensteht." Ein weit geeigneteres Mittel, das wellenartige Verrauschen der Begeisterung der Mehrheit des deutschen Volkes zu verhüten, dürfte eine tatkräftige Förderung des einmütigen Zusammenhaltens aller Stände und Konfessionen sein. Ein solches Zusammenhalten würde aber zur Unmöglichkeit, wenn sich die Staatsleitung durch das Ergebnis der Reichstagswahlen dazu verleiten ließe, nach der Maxime einer längst veralteten Staatskunst „Teile und herrsche" eine konservativ-klerikale Mehrheit gegen eine konservativ-liberale Mehrheit auszuspielen und