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Im deutschen Reich · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. 152

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Lebenserinnerungen an Moritz Lazarus
Date
1907-03-01
Page
152 (sequence 3)
Language
German
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152 Zw deutschen Reich. sie sollen aber zugleich einen interessanten Beitrag zu der Entwicklung des geistigen, künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens, insbesondere in Berlin, bieten. Dieser Aufgabe genügen die Erinnerungen vollständig und man darf ruhig behaupten, daß sie wichtige Bausteine für die Geschichte einer Kultur der Gegenwart enthalten. Oder will man es bestreiten, daß der Literarhistoriker außerordentlich dankbar sein müsse für die Veröffentlichung der Erinnerungen über Rückert, Gottfried Keller, Berthold Auerbach, Paul Heyse und Reuter? Werden dem Kulturhistoriker die Mitteilungen über das Berliner Leben, die Schilderung des kleinen Diners als Kulturelements, die zahlreichen ebenso tiefen wie feinsinnigen Bemerkungen über Vorgänge der zeitgenössischen Geschichte nicht von größtem Werte sein, werden sie ihn nicht in den Stand setzen, so manches Vorkommnis besser zu verstehen, als vermittelst des Studiums eines bogenreichen Spezialbuchs? Aber auch der Historiker und Soziologe kommen auf ihre Rechnung; man lese das Kapitel über den preußischen Hof, über die Tätigkeit des Gelehrten an der Kriegsakademie, über seine Beobachtungen in Paris und Wien. Es war ihm eben gegeben, mit psychologischem Blick die Erscheinungen des zeitgenössischen Lebens zu durchdringen, vieles, was für diejenigen unklar bleibt, denen die Psychologie ein Buch mit sieben Siegeln ist, entschleierte sich vor dem milden und doch so scharfen Blick des großen Denkers. Nur vermittelst einer recht engherzigen und zopfigen Anschauung könnte man die kulturelle Bedeutung der Lebenserinnerungen in Abrede stellen, wenn auch anderseits nicht bestritten werden soll, daß durch die Weglassung mancher Bemerkungen und die kürzere Behandlung von manchem, was minder wesentlich ist, der bleibende Wert des Buchs nur gewonnen hätte. Der" Bausteine, deren man bei der Konstruktion des ^ulturgebäudes der Gegenwart bedarf, sind eben viele, nicht nur die großen Eck- und Quadersteine sind unentbehrlich, sondern auch auf kleine Steine kann der Baumeister nicht verzichten, und darum werden auch die Lebenserinnerungen, die sich nur als das geben, was sie sein wollen, allen, die mit Lazarus in Berührung gekommen sind oder sich an der feinen Psychologie seiner Schriften, an dem Adel seiner Gesinnung und an dem ethischen Pathos seiner Vorträge erfreuen konnten, hochwillkommen sein. Dem bescheidenen Charakter, der Lazarus auch dann blieb, als die internationale

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