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Im deutschen Reich · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. 151

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Lebenserinnerungen an Moritz Lazarus
Date
1907-03-01
Page
151 (sequence 2)
Language
German
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Lebensermnerungen an Moritz Lazarus. iöi Ein belebender Einfluß ging von ihm aus, die anregende Wirkung seines Geistes machte sich auch demjenigen gegenüber geltend, welcher an und für sich dem Spezialgebiete des Philosophen fremder gegenüberstand, und der kühlste Skeptiker mußte sich von der wahrhaft erhebenden idealistischen Gesinnung durchwärmt fühlen, welche den bahnbrechenden Forscher auch dann nicht verließ, als in der kulturellen Entwicklung Deutschlands manche Erscheinungen Zu Tage traten, wohl geeignet, den Idealismus jedes Deutschen merklich abznkühlen. Nicht mit Unrecht sagte Kaiser Friedrich, der den von der preußischen Militär-Verwaltung in wenig erfreulicher Weise behandelten Gelehrten verdientermaßen schätzte, er sei und bleibe der Fahnenträger des Idealismus. Die Universalität, die Lazarus eigen war, brachte es mit sich, daß er mit den verschiedensten Menschen in Berührung kam, welche aus die kulturelle Entwicklung Deutschlands im Laufe des 19. Jahrhunderts einen mehr oder minder erheblichen Einfluß ausgeübt haben, und von der Reichhaltigkeit der geistigen, wissenschaftlichen und sozialen Beziehungen, die sich hieraus ergaben, gibt das schöne Buch Kunde, das im Vereine mit Alfred Leicht die überlebende Gattin des verstorbenen Meisters, Nahida Lazarus, unter dem bescheidenen Titel „Lebenserinnerungen" veröffentlicht hat.*) Es ist keine Biographie des großen Gelehrten und beansprucht auch nicht eine solche zu sein; was Lazarus für die Philosophie und Psychologie sowie überhaupt die Entwicklung der Geisteswissenschaften im vergangenen Jahrhundert bedeutete, wird hoffentlich in nicht allzu entfernter Zeit von berufener Hand dargestellt werden. Die Lebenserinnerungen, mit liebevoller Pietät nach Aufzeichnungen und mündlichen Mitteilungen des Gelehrten von der Gattin Zusammengestellt, sollen vielmehr dem Leser ein Bild seiner vielseitigen, nach allen Richtungen hin anregenden und befruchtenden Persönlichkeit geben, sie sollen den Menschen schildern im Verkehr mit den ihm in geistiger Hinsicht besonders Nahestehenden, sie sollen ihn als hilfsbereiten, edlen Mann zeigen, dem es eine Herzenspflicht ist, für die Arbeiter des Geistes Zu sorgen und mindestens das Aeußerste von ihnen und ihren Angehörigen abzuwenden; *) Nahida Lazarus und Alfred Leicht: Moritz Lazarus' Lebenserrnnerungen (Berlin, Georg Reimer 1905).

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