Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Die letzten Reichstagswahlen
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 146 (sequence 6)
- Language
- German
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146 Im deutschen Reich gesucht. Daß wir, als die Entscheidung der Stichwahlen vor der Türe stand, nichts versäumt haben, um durch brieflichen und persönlichen Verkehr aus die Zentralleitungen verschiedener Parteien einzuwirken, daß sie in der Ausgabe ihrer Wahlparole unsere Interessen nach Möglichkeit berücksichtigen sollten, ist selbstverständlich. Damit war unsererseits geschehen, was im Rahmen der Vereinstätigkeit geschehen konnte. Denn eine selbständige, positive, politische Wühlarbeit können und dürfen wir nicht leisten, unsere Tätigkeit muß im wesentlichen eine abwehrende bleiben, die sich nur gegen den Antisemitismus richtet. Daß wir bei dem geringen numerischen Einfluß, den wir besitzen, für den Ausgang der Wahlen nicht verantwortlich gemacht werden können, bedarf keines Hinweises, wohl aber sei noch eines Momentes gedacht: Man hat uns hier und da gesagt: „Ihr betont, daß Ihr auf vaterländisch-nationalem Boden steht, wie könnt Ihr Euch da dem Vorwurf aussetzen, gegen die Wahlparole der Regierung zu wirken?^ Die Antwort darauf ist einfach: Nicht unsere Schuld ist es, wenn wir Lei politischen Wahlen insofern eine Sonderstellung einnehmen, als wir nicht nur durch Abgabe des Stimmzettels ein positives politisches Glaubensbekenntnis ablegen, wie dies andersgläubige Wähler können, sondern daneben eine Abwehr üben müssen, die uns unsere Ehre und Selbstachtung gebietet! Dazu aber kommt, daß nach unserer heiligen Ueberzeugung die Bekämpfung eines Antisemiten ebenso sehr iw vaterländischen Interesse liegt, wie in dem der Juden, und in demselben Maße eine nationale Aufgabe darstellt, wie der Kampf gegen andere vermeintliche oder wirkliche Gefahren für das Vaterland. Doch nun zum Schluß die Frage: Welche Lehren können wir aus dem verflossenen Kawvfe ziehen? In erster Linie die, daß wir uns nicht darauf beschränken dürfen, kurz vor der Entscheidung in die politische Arena Zu steigen, sondern daß, wer immer von unfern Mitgliedern es möglich machen kann, Anteil am politischen Leben zu nehmendie ernste Pflicht hat, sich auf diesem Felde zu betätigen, weit mehr, als das bisher der Fall war. Dann wird es möglich sein, den lokalen Einfluß bei den Parteien zu vergrößern und so betrübende Erfahrungen, wie wir sie in dieser Wahlkampagne gemacht haben, zu verhindern.