Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Die letzten Reichstagswahlen
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 147 (sequence 7)
- Language
- German
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Deutsche Studenten jüdischen Glaubens. 147 Die zweite Lehre aber, die wir aus den Erfahrungen ziehen müssen, geht dahin: Wir müssen dafür sorgen, daß unsere Phalanx dicht geschlossen wird. Ist unsere Position auf Grund unserer Mitgliederzahl schwach., so müssen wir sie durch Einigkeit stark machen. Besteht erst der Begriff „Central- Verein" ganz und gar Zu Recht, so wird auch unser Einfluß im Wahlkampfe steigen. Die heutige Delegiertenversammlung wöge dazu beitragen, daß wir uns diesem Ziele mehr und mehr nähern. Deutsche Studente» jüdischen Kkauöens. bereits irü Januar-Hefte dieserZeitschrist erwähnte, anläßlich Hg) des K. C. Tages erfolgte Abänderung des Tendenzparagraphen des Kartell-Convents deutscher Studenten jüdischen Glaubens bezweckte, mit größerer Scharfe als bisher zu betonen, daß der K. C. „aus dem Boden deutsch-vaterländischer Gesinnung" steht. Die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden, das Ideal des K. C., hat die deutschvaterländische Gesinnung als notwendige Voraussetzung. Vollkommen klar hatten dies schon die alten „Viadrinen" zu Breslau zum Ausdruck gebracht, jene wackeren Kämpen, die zuerst von allen mannhaft und geschlossen für das Recht der bedrückten Minderheit einzutreten wagten. In ihrem Aufruf vom Jahre 1886, betitelt: „Ein Wort an unsere Glaubensgenossen", heißt es: „Wir vertreten den Grundsatz, und werden durch unser Verhalten den Beweis dafür liefern, daß wir Juden und Zugleich Deutsche im wahren Sinne des Wortes sein können. Wir wollen uns zu Männern erziehen, die alle Anforderungen, die der Staat an seine Bürger stellt, mit Begeisterung und Pflichttreue erfüllen und gemeinschaftlich mit unseren christlichen Mitbürgern an der Lösung der großen Ausgaben der Zeit Mitarbeiten." Das Ziel durften sie sich setzen als Juden, die sich und ihre Glaubensgenossen frei machen wollten von unerhörter Bedrückung, als Deutsche, die sich von niemand das Recht streitig machen lassen, mitzuarbeiten an der Größe ihres Vaterlandes, für die sie wie alle anderen alle Kräfte einsetzen.