Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Die letzten Reichstagswahlen
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 145 (sequence 5)
- Language
- German
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Die letzten Reichstagswahlen. 145 Das Angeführte möge genügen, um ein kleines Bild von der Sachlage ZU gehen, faweit es fich um die Erfolge der Antisemiten handelt. Was ist nun seitens des Central-Vereins geschehen, um den Einzug antisemitischer Abgeordneter in den Reichstag zu verhindern? Daß es unsere Aufgabe sei, auch auf diesem Boden unfern Gegnern nach Kräften entgegenzutreten, darüber herrschte keinen Augenblick eine Meinungsverschiedenheit. Wenn mir aber den gerechten Ansprüchen aller unserer Mitglieder entsprechen wollten/ so konnten wir uns bei unserer Aktion nur von dem Grundsatz leiten lassen, fern von aller Fraktionspoliük nur gegen antisemitische Kandidaturen zu Felde zu ziehen^ Die Befolgung dieses Grundsatzes war ausschlaggebend für alle unsere Entschlüsse. Zunächst betrachteten wir es als unsere Aufgabe, für den nötigen Kriegsschatz Sorge zu tragen. Noch bevor die Reichstagsauflösung verkündet war, haben wir uns in der Bereinszeitschrift an unsere Mitglieder gewendet mit einem Ausruf, Spenden für die Wahl zur Verfügung zu stellen. In einer besonderen Versammlung zu Berlin wurde für den gleichen Zweck geworben. Es muß dankend anerkannt werden, daß uns die Mittel reichlicher zuflossen, als in früheren Jahren bei gleichem Anlaß. So waren wir in den Stand gesetzt, nicht nur die durch Antisemiten gefährdeten Wahlkreise ins Auge zu fassen, sondern auch diejenigen, in denen ein antisemitischer Konservativer um das Mandat kämpfte. Dem aussichtsvollsten Gegegenkandidaten dieser Parteien galt unsere Unterstützung, gleichgültig, welcher Fraktion er angehörte. Im Ganzen konnten wir 32 Wahlkreise unterstützen; in 13 von diesen unterlag der bekämpfte Gegner. Die Subventionen wurden durch Vermittelung der Zentralleitungen von Vertrauensmännern den lokalen Organisationen zugesührt. Weiterhin betrachteten wir es als unsere nächste Aufgabe, unsere Mitglieder für den Wahlkampf in unserem Sinne zu gewinnen und durch Flugblätter, namentlich vor der Stichwahl, auch auf die noch nicht unserem Vereine angehörenden Glaubensgenossen einzuwirken. Vielfach wurden wir auch um Rat angegangen, wie man sich zu einzelnen Kandidaten stellen solle; wo es zweckmäßig und notwendig schien, haben wir durch Anfrage an den Kandidaten seine politische Stellung zu klären