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Im deutschen Reich · 1907-02-01 · Heft 2 (Februar 1907) · p. 113

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 2 (Februar 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-02-01
Page
113 (sequence 12)
Language
German
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Umschau. 113 deutscher Antisemiten wieder aufzutischen und im Parlament zum Gegenstand einer Interpellation an den Justizminister Zu machen. Sie beschwerten sich darüber, daß die Staatsanwaltschaft die Nummer der „Linzer Post" vom 2. Dezember konfiziert hatte, in der unter der Ueberschrift „Unerhörte jüdische Frechheit" gesagt wurde: „Im „Kasseler Sontagsboten", 15. Jahrgang, Nr. 18, schreibt ein Rabbiner: „Es ist ein Glück, daß der Gekreuzigte in die Welt gekommen ist . . . Denn die Juden verdanken die größten Gewinne des ganzen Jahres dem Sohne der Maria usw. usw." Durch ihre Interpellation wollten Sturm und Genossen den Eindruck erregen, als ob sie daran glaubten, die Mitteilung der „Linzer Post" beruhe aus Wahrheit und im „Kasseler Sonntagsboten" (der jene „Deborah- Lüge nicht etwa jetzt, sondern vor einer Reihe von Jahren einem Berliner Antisemitenblatt entlehnte) habe tatsächlich ein Rabbiner die haarsträubende, jedes menschliche Gefühl verletzende Aeußerung geschrieben. Von der „Wiener Sonn- und Montags-Ztg." wird über dieses Vorkommnis geschrieben: „Die Wiener Post" und mit ihr auch die Wiener Gesinnungsgenossen wissen, daß die Wirkung eine viel aufreizendere ist, wenn es heißt: „Im „Kasseler Sonnragsboten" schreibt ein Rabbiner . denn dadurch wird die Annahme aufgedrängt, daß der „Sonntagsbote" ein „Judenblalt" ist, das Rabbiner zu seinen Mitarbeitern zählt. Die antisemitischen Preßsöldlinge arbeiten seit jeher in dieser Weise." Der österreichische Justizminister, der die erwähnte Interpellation Sturms ebensowenig beantwortet hat, wie dessen am 9. März v. I. eingebrachte, von wildem Judenhaß strotzende Interpellation in der Hilsner-Affäre, wagt es offenbar weder der in Oesterreich einflußreichen antisemitischen Clique entgegenzutreten, noch durch Mißbilligung des korrekten Verhaltens der Staatsanwaltschaft das Rechtsgefühl aller anständigen Leute zu verletzen. Dieses Schweigen ermutigt aber nur zu weiteren Hetzereien. Wenige Tage nach jener Interpellation brachte das Wiener „Deutsche Volksblatt" unter der Ueberschrift „Das Geheimnis der jüdischen Politik" ein Feuilleton, in dem aus eine unter diesem Titel als Broschüre veröffentlichte, angeblich von einem gewissen Mordvinow in einer Zionistenversammlung gehaltene Rede verwiesen wurde, in der u. a. gesagt worden sein sollte: „Die Politik ist das Gebiet unserer Macht, da alle Fäden, aus welchen sie gewebt ist, aus einem

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