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Im deutschen Reich · 1907-02-01 · Heft 2 (Februar 1907) · p. 112

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 2 (Februar 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-02-01
Page
112 (sequence 11)
Language
German
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112 Im deutschen Reich. bei anderen politischen Verbänden zu verzeichnen gewesen. Der Geschäftsausschuß der rmtiorrrMberalen Partei hatte z. B° beschlossen, im Kreise Teltow-Beeskow-Charlotrenburg nicht den von Liberalen ausgestellten Stadtschulrat Br. Neufert- Charlottenburg, sondern den konservativen Oberbürgermeister Boddien in Rcxdorf Zu unterstützen. Dieser Beschluß wurde in einer Versammlung des „Vereins der nationalliberalen Jugend" Berlins scharf getadelt, und der Vorsitzende des Vereins, Rechtsanwalt Dr. Marwitz, legte sein Amt als Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der Partei nieder mit der Begründung, seine Anschauungen verböten es ihm, für einen Konservativen gegen einen liberalen Kandidaten zu arbeiten. So war bei den Meisten politischen Parteien diesmal ein innerer Zwiespalt bemerkbar, der eine fast grenzenlose Verwirrung veranlaßte. Demgegenüber hat das in dem von uns erlassenen und von vielen befreundeter. Blättern weiter verbreiteten Aufruf des Central-Vereins enthaltene Wahlprogramm in seiner Einfachheit und Klarheit nicht nur dem jüdischen Bevölkerungsteil, sondern auch andere Wohlmeinenden im deutschen Vaterlande gezeigt, was jetzt not tut, wenn der große Moment nicht ein kleines Geschlecht finden soll. Von den vielen zustimmenden Erklärungen sei hier nur die der Mannheimer Neuen Badischen Landeszeitung erwähnt, die unsern Aufruf wörtlich wiedergibt und an den Satz: „Die Schmach, die der Antisemitismus für unser Vaterland bedeutet, muß getilgt werden!" die Bemerkung knüpft: „Dieser Parole kann auch jeder wahrhaft liberale Nichtjude zustimmen; denn eine Partei, welche nich^ einmal die staatsbürgerliche Gleichberechtigung achtet, ist ein schädlicher Fremdkörper im modernen Staatse organismus." Daran hat jeder Vaterlandssreund in Deutschland ein Interesse, daß wir nicht zu Zuständen gelangen, wie sie das antisemitische Gift in Oesterreich herbeigeführt hat. Dort haben sich die leider zu Volksvertretern gewählten Antisemiten Sturm und Genossen nicht entblödet, die bereits vor Jahren überzeugend widerlegte „Deborah-Lüge"

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