Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 111 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. II t Die Deutsche MiLL§!sLakdsvLremiguug, die vielfach versichert hatte, keine politische Partei bilden zu wollen, hat sich aber auch Lei den Wahlen in den meisten Kreisen als eine SchutzLruppe der Antisemiten erwiesen. Im Wahlkreise Arnsw.alde- Friedeberg respektierten merkwürdiger Weise die Konservativen und Agrarier die angeblichen Verdienste des Herrn Bruhn um die wirtschaftliche Bewegung, trotzdem Bruhn nicht nur gegen die Juden, sondern oft genug auch gegen die „Junker" geschimpft hat, wenn es ihm darauf ankam, dem „Mittelstände" zu schmeicheln und sich als dessen Vorkämpfer aufzuspielen. Zugunsten des deutsch-sozialen Amtsgerichtsrats Lattmann, der bisher Kassel-Melsungen im Reichstag vertrat, erließ Obermeister Rahardt für den Zentral- Borstand des deutschen Mittelstands eine Erklärung, worin alle Mitglieder ersucht wurden, für die Wiederwahl Lattmanns mit allen Mitteln zu wirken. Wenn der Konservative Verein für Hessen iw Kreise Gelnhausen-Hanau den nationalliberalen Kandidaten Dr. Lucas unterstützte, die Parteigenossen aber ausforderte, in allen andern Wahlkreisen des Regierungsbezirks Kassel für die Deutschsozialen zu stimmen, gab er dadurch kund, daß er seinem eigenen Programm für Hessen keine Werbekraft mehr zutraue. Die Aussichten der Gefolgschaft Liebermanns wurden für Heffen aber nicht nur durch den Verzicht der Konservativen, sondern auch durch einen Zwiespalt im Lager seiner reformerischen Gegner verbessert. Der Landesverband der Ref^ormpartei in Kurhessen hatte den Brorsabrikanten Hauptmann a. D. Ernst Simons-Kassel als Kandidaten für den Wahlkreis Kassel- Melsungen und ebenso für den Wahlkreis Hofgeismar- Wolfha gen-Rinteln aufgestellt. Dies wurde von dem Landtagsabgeordneten Werner öffentlich mit dem Hinzusügen dementiert, die Parteileitung wisse von einer derartigen Aufstellung nichts und werde einer solchen die Zustimmung versagen; sie wolle keine Zersplitterung der antisemitischen Stimmen. Demgegenüber er-- klärte der antisemitische ReformkandidaL Simons, er sei im Besitze der ossiziellen Zustimmung der Parteileitung, unterschrieben von dem Parteivorstand Zirnmermann. Obendrein habe das offizielle Organ der deutschen Reformpartei „Die Reform" am 6. Januar feine Kandidatur offiziell proklamiert. Aehnliche Wirrnisse sind aber bei den Hauptwahlen zum Reichstage diesmal auch in anderen deutschen Landesteilen und