Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 109 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 109 Enthüllungen des Fürsten Hohenlohe, wonach auch im Jahre 1893 die innere Politik einmal aus des Messers Schneide stand — nämlich bei der Militärvorlage Caprivis. Damals bildeten aber nicht die Mitglieder des Zentrums, sondern die Antisemiten das Zünglein au der Wage. Am 9. Juli 1893 schrieb Hohenlohe in sein Tagebuch: »Heute kam Miguel zu wir. Ueber den Ausgang der Beratung über die MiliLärvorlage ist er nicht beruhigt. Die Antisemiten, von deren Zustimmung die Sache abhängt, machten unannehmbare Bedingungen." Das Straubinger Blatt bemerkt hierzu: »Wenige Tage darauf, am 13. und 14. Juli, fand die zweite Lesung der Militärvorlage statt und jetzt fielen die Antisemiten, ihre Wähler verratend, plötzlich uw. Entweder muß also die Regierung zwischen dem 13. und 14. Juli die antisemitischen Bedingungen doch annehmbar gefunden haben, oder die Antisemiten hatten sich soviel abhandeln lassen, daß die Regierung schließlich in das Geschäft einwilligte". — Die Erinnerung an solche Vorgänge sollte wirklich dazu dienen, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um der deutschen Volksvertretung jene Antisemiten fernzuhalten, deren Geschäftssinn bekanntlich hoch entwickelt ist. Seit dem Jahre 1893 sind sie sich darin völlig gleich geblieben, und ihr Treiben ist seitdem so offenkundig geworden, daß es selbst solche Parteien anwidern müßte, die sich die antisemitische Gefolgschaft gefallen lassen, wenn sie sie für ihre Zwecke benutzen zu können meinen. Daß aber auch dabei der antisemitische Geschäftssinn häufig das Spiel verdirbt, ist Zweifellos. So hatte die „Konservative Korrespondenz" vor den diesmaligen Hauptwahlen hinreichenden Anlaß, sich darüber Zu beklagen, daß die Antisemiten in konservative Wahlkreise einZubrechen versuchten. Sie empfahl deshalb, »dieser Wiederholung des alten Spieles mit rücksichtsloser Entschiedenheit und mit großer Schnelligkeit entgegenzutreten." Selbst die »KreuZ-Ztg.", die gewiß eine gute Dosis Judenfeindlichkeit vertragen kann, ereifert sich über die Wahlagitationen der Antisemiten und sagt in einem Bericht über die im Sternberger Land von Hans v. Mosch gehaltene Wahlrede: »In einer von über 300 Wählern besuchten Versammlung in der Kreisstadt Reppen, in der Hans von Mosch in maßlosester Weise