Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 108 (sequence 7)
- Language
- German
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108 Im deutschen Reich. Die HaupLwahlerr zuw Reichstag vollzogen sich unter dem Eindruck des aus den verschiedensten politischen Stoffen ZusawmengeschWeißten „Blocks", auf den der Reichskanzler bei der Auflösung des Reichstages gerechnet hatte, um die Macht des Zentrums zu brechen. Daß dabei der liberale Teil nur als eine Legierung geschätzt wurde, ging aus dem Schreiben des Reichskanzlers an den Vorsitzenden eines konservativen Verbandes deutlich hervor. Mit Leichtigkeit war auch in jenem Schreiben zwischen den Zeilen die Absicht zu lesen, sich mit der mächtigen Zentrumspartei sofort wieder zu verständigen, wenn sie sich bereit fände, mit den Konservativen gemeinsam eine neue regierungsfreundliche Mehrheit zu bilden. Bei den Machtfragen, die dabei die größte Rolle spielen, ist die jüdische Bevölkerungsmmderheit in Deutschland wesentlich interessiert, denn jetzt schwank: noch die Wage, ob die innere deutsche Politik mehr und mehr aus der für unsere Gleichberechtigung so gefährlichen Bahn der Reaktion weiter hmabgleiten, oder in ein freisinnigeres, ^en neuzeitlichen Forderungen entsprechendes Geleise einlenken soll. Die bezügliche Entscheidung liegt glücklicher-Weise nicht in dem freien Willen des leitenden Staatsmannes; seine verblümten Drohungen mit dem „Degen Bonapartes" oder mit wiederholten Reichstagsaustösungen sind deshalb kaum ernst zu nehmen, weil es sich in großen politischen Momenten stets erweist, daß die Verhältnisse mächtiger sind als die Menschen. Zu festen Entschlüssen kann nicht nur die Reichsregierung, sondern auch jede politische Partei erst gelangen, wenn das Ergebnis der Stichwahlen den Willen der Volksmehrheit klar und deutlich zum Ausdruck gebracht haben wird. Die Verwirrung, die vor den Hauptwahlen vielfach verblendete, wird dann nicht mehr vorhanden fein, wenn der Wähler, unbeirrt durch Lockungen von fünf bis sechs Fraktionen, einfach vor einem „Entweder — oder" steht. Aber gerade deshalb gilt es rechtzeitig vor den Stichwahlen die größten Krastanstrengungen zu machen, um eine Klärung herbeizusühren, die eine friedliche und freie Entfaltung aller Volkskräfte verbürgt, vor allem aber den Grundsatz „Gleiches Recht für Alle!" zu einem Dogma macht, an dem niemand mehr rütteln darf. Ein ultramontanes Blatt, das „Straubinger Tageblatt", verwies dieser Tage aus eine, auch von der sozialdemokratischen „Münchener Post" kürzlich zitierte merkwürdige Stelle aus dev