Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 106 (sequence 5)
- Language
- German
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106 Im deutschen Reich. wählen haben einige Vertreter derZentrumspartei wiederholt diesen toleranten Standpunkt vertreten. So sagte der Vorsitzende der Siebener-Kommission der Ruhrbergleute, Effert, der als Kandidat des Zentrums in Dortmund auftrat, in einer dortigen Versammlung: ^Wer die Mutter nicht ehrt, der ehrt auch sich nicht. Wenn jemand zu Ihnen kommt und zieht über Ihre Mutter her, der wird stets bei Ihnen den kürzeren Ziehen; wer meine Mutter in den Kot Zieht, der zieht mich in den Kot; und dasselbe ist der Fall, wenn man die Religion irgend eines Gläubigen beschmutzen will, mag er katholisch, evangelisch oder mosaisch sein oder sonst irgend einer Religionsgemeinschaft angehören." Solchen Empfindungen haben aber nur einzelne Organe des Zentrums Ausdruck verliehen; ultramontane Blätter haben durch die völlig unbegründete Behauptung, daß die jüdische Presse die katholische Kirche bekämpfe, in bedenklicher Weise Mißstimmung gegen die Juden hervorgerufen, denen schon deshalb solche Gegnerschaft fern liegt, weil sie ebenso wie die Katholiken sich gegen jeden zur Wehr setzen müssen, der sie wegen ihres Glaubensbekenntnisses oder wegen ihrer Abstammung als minderwertig bezeichnet. Wenn die Vertreter der katholischen Presse es nicht schon wüßten, daß für die von ihnen als „Judenblätter" angegriffenen Organe die Mehrheit der Juden in keiner Weise verantwortlich ist, dann würden sie sich die Mühe geben, jüdische Fachblätter zu lesen, die es gerade in letzter Zeit ohne irgend eine Ausnahme zum Ausdruck gebracht haben, wie man in jüdischen Kreisen in Wirklichkeit über Zentrum denkt. Es wird sich aber in den nächsten Monaten zeigen müssen, ob es sich nicht ähnlich mit den Katholiken verhält, die unmöglich eine richtige Vertretung ihrer Interessen in allen ihren Preßorganen finden können. Manche übergehen alle Anfeindungen der Katholiken von seiten der Tivoli-Konservativen und Antisemiten mit Sanftmut, sobald es ihnen möglich erscheint, gemeinsam mit diesen irgend einen Makel an der jüdischen BevölkerungsminderheiL zu entdecken oder einen erfundenen zu verbreiten. Aus diesem Gebiete hat sich besonders die „Germania^ hervorgetan; sie Hatz. B. bei Besprechung von Vorfällen, bei denen Juden garnicht in Frage kamen, wie bei dem Ausschluß Zweier nicht der evangelischen Konfession angehörenden Damen aus der Mannheimer Armenkowmission, ohne allen Grund die anti-