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Im deutschen Reich · 1907-02-01 · Heft 2 (Februar 1907) · p. 97

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 2 (Februar 1907)
Article
aus der Geisteswerkstatt zweier Philosophen
Date
1907-02-01
Page
97 (sequence 5)
Language
German
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Aus der GeistesrverkstatL zweier Philosophen. 97 nach Bernburg über die Saale gekommen bin, da war geschrieben: Vieh und Juden Zahlen einen Brückenzolls Daß er keine KampfesnaLur ist und schon deswegen jeden Krieg verabscheut, betont er Zu wiederholten Malen. Gegenüber Glogaus Einwand, die Zerstreuung der Juden in alle Weltteile sei „ein negatives Kennzeichen dafür, daß ein friedlicher Sinn einem rüstigen, kampfbereiten keineswegs in dieser Welt des Werdens unbedingt vorzuziehen ist", verweist Steinthal immer wieder auf seinen und des Judentums als solchen unverwüstlichen Optimismus. „Denken Sie doch nur", schreibt er bereits zu Beginn des Briefwechsels, „an den Schluß meines letzten Vortrags. Gott ist gut und hat eine gute Welt geschaffen. Diese Wahrheit, von der der schlaffe Inder, weder der Brahmane noch der Buddhist, eine Ahnung haben, hat ja unsere deutschen Pessimisten so sehr gegen die Juden eingenommen." Sehr schön wird dieser Fundamentalsatz, über den er, wie wir gelegentlich erfahren, mit einem Freunde, dem hochgelehrten Szegediner Oberrabiner Loew, korrespondiert, in Zusammenhang nit dem Totenkultus des Judentums gebracht: „Die Griechen feierten das Andenken der Toten nicht, wie wir Juden es tun, am Sterbetage derselben, sondern am Geburtstage. Indessen haben die Juden außer den privaten Feiern der Synagoge noch eine öffentliche Totenfeier gerade an den Freudenfesten Ostern, Pfingsten und Laubhüttenfest." Jüdischer Optimismus und jüdisches Mitgefühl mit den Leidenden gehen, aufs engste mit einander verknüpft, nach Steinthals feinsinniger Bemerkung Hand in Hand: „Gott tröste Euch!" sagen die Juden zu allen Trauernden. In diesem Jahre unseres durch Erdbeben hervorgerusenen Mißvergnügens ist es vielleicht nicht überflüssig, aus die von Steinthal in einem Briefe konstatierte Tatsache hinzuweisen, daß die Juden alle Jahre einmal, wie sie den Schutz des Höchsten gegen Überschwemmung, Pestgesahr usw. anrusen, auch für die Länder beten, die der Erschütterung durch Erdbeben ausgesetzt sind, auf daß ihre Wohnungen nicht ihre Gräber werden. Hierher gehört es auch, daß, woran Steinthal gelegentlich einer Geburtstagsgratulation erinnert, seine Glaubensgenossen jedes Fest mit dem Segenswunsch einleiten: „Gelobet seist du Gott, der du wich am Leben erhalten und diese Festeszeit hast erleben lassen!" „Diesen Spruch", fügte der Briefschreiber

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