Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- aus der Geisteswerkstatt zweier Philosophen
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 95 (sequence 3)
- Language
- German
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Aus der GeistesrverkstaLL zweier Philosophen. 95 er aus d'iesem LäuterungsproZeß sich zu einer Weltanschauung durchrang, die bei aller Konsequenz und standhaftem Festhalten an der eigenen, schwer erkämpften Ueberzeugung in Steinthal, dem „großen Wissenden", den verkörperten Inbegriff aller wahren Religiosität erblickte. So beschwört er ihn immer wieder in seinen Briefen, ein zusawmenfassendes Werk über die Bibel erscheinen zu lassen, da er allein dazu in außerordentlichem Maße befähigt sei. Leider blieb dieser Wunsch ebenso wie der nach Veröffentlichung von SteinthalsJugenderinnerungen unerfüllt, wenngleich beides in zerstreut hier und da erscheinenden Abhandlungen behandelt wurde. Besonders reizte es den Jünger, aus seines Lehrers Memoiren die innere Entwicklung, die dieser, sein Schwager Lazarus, Professor Cohen in Marburg und so mancher andere, geistig hochstehende Jude vom rückständigen Talmudjünger bis zu einem auf den Höhen der Wissenschaft thronenden Gelehrten durchgemacht hatte, und den dadurch hervorgerufenen innern Widerstreit der Empfindungen näher kennen Zu lernen. Selbstverständlich wurde, wie aus diesen Andeutungen bereits hervorgeht, auch die Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts aufgetauchte sogenannte Judenfrage von beiden, in ihrem Werdegang so verschiedenen Männern in den Bereich ihres Gedankenaustausches gezogen. Diese Erörterungen bewegen sich, trotzdem Steinthal selbst Jude war, auf der höchsten Warte leidenschaftsloser, unpersönlicher, lediglich vom Wahrheitstrieb geleiteter Betrachtungen. Glogau, der Christ, der, wie wir schon hervorgehoben haben, politisch zu konservativen Anschauungen hinneigte, teilt seinem hochverehrten Lehrer mit, daß er Zwar im Kieler „Verein deutscher Studenten" einen Vortrag gehalten habe, jedoch nur „um Gelegenheit zu haben, gegen den blöden Antisemitismus, der diese gutmeinenden Jünglinge verdummt, aufzutreten." „Gebe Gott, daß diese scheußliche Agitation bald vorüberginge", schreibt er anderswo. Steinthal, der Jude war mit Leib und Seele, schreibt mit der ihn kennzeichnenden Vornehmheit der Gesinnung sehr kühl an seinen Schüler, der seine Anschauungen über die brennende Frage schriftlich fixieren und einem immer größeren Publikum Zugänglich machen wollte: „Laß Dich nicht auf die leidige