Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 58 (sequence 7)
- Language
- German
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58 Im deutschen Reich. geschieht, an den Gerechtigkeitssinn deutscher Richter appelliert wird. Wenn man bea Verein den „Denunziarrten-Verein^ genannt habe, so könne er diese Bezeichnung ruhig als Ehrentitel betrachten. Er gibt nur Zeugnis von dem Vertrauen zu deutschen Richtern und zeugt dafür, daß die Juden den ihnen aufgedrängten Kampf nur mit allen gesetzlichen Mitteln führen wollen. In diesem Kampf ums Recht wird aber der Sieg der guten Sache gewiß nicht ausbleiben. — Dem Redner wurde lebhafter Beifall gezollt und dann ergriff im Namen des Central - Vereins - Vorstandes Herr SaniräLsrat Br. Wiesenthal das Wort, um darauf zu verweisen, daß im Laufe der Jahre zweifellos in der jüdische Angelegenheiten betreffenden Judikatur eine Wandlung zum Besseren eingetreten sei. Die Staatsanwälte, die sich früher bei solchen Gelegenheiten recht unzugänglich erwiesen, hätten nicht nur auf die Strafanträge des Central-Bereins reagiert, sondern seien auch wiederholt aus eigenem Antriebe vorgegangen, wo den Juden schweres Unrecht widerfahren sei. Ein angenehmer Kampf sei es allerdings nicht, sich gegen Beleidigungen solcher Leute Zu wehren, deren moralische Defekte sie als keine gleichwertigen Gegner erscheinen lassen. Grundfalsch wäre es, sich durch einzelne Erfolge in Sicherheit einlullen zu lassen. Eine so tiefgehende Bewegung wie die antisemitische, die durch die niedrigsten Instinkte weiter getrieben werde, sei nicht so leicht einzudämmen. Aber der Ausgang der Drepfus-Affäre in Frankreich, der die kühnsten Hoffnungen überflügelt habe, sei geeignet, alle Schwarzseherei Zu verbannen. Auch in Deutschland werde es tagen, wenn wir unter uns den Jndifferentismus verbannen und den Antisemitismus als die Kraft betrachten lernen, die stets das Böse will und doch das Gute schafft, — das feste Zusammen-- stehen der Guten zum Guten. Zeigen wir, daß wir Juden bleiben wollen, weder uns noch unsere Kinder taufen lassen, daß wir uns aber auch unser Deutschtum nicht rauben lassen. Wer uns dabei hilft, der dient nicht nur dem Judentum, sondern auch dem deutschen Vaterlands, denn wir bekämpfen eine Bewegung, die nur geeignet ist, den deutschen Namen in den Schmutz zu ziehen. (Lebhafter Beifall). Hierauf widmete der Vorsitzende, Herr Br. Holzmann, dem kürzlich' dahingeschiedenen Mitglieds des Gruppenvorstands, Herrn Fabrikbesitzer- Moritz Rosenfeld, einen herzlichen Nachruf. Den Schluß des Abends bildere eine anregende Debatte über verschiedene Vereins-