Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. 54

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-01-01
Page
54 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316753-2316755--15941-2337769
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

54 Im deutschen Reich. seinem Bortrage, daß es sein Vater gewesen, der zuerst das Verdienst erwarb, die durch religiöse Meinungen getrennten Juden Zu gemeinsamer mannhafter Abwehr zu einen und diese erfolgreich Zu gestalten. Das Rechtsgefühl wurde durch den einmütigen Protest der Juden überall wieder geweckt; der preußische Kriegsminister erkannte öffentlich die Leistungen der jüdischen Soldaten im Krieg und Frieden an, und der Gedanke des Ausschlusses der Juden aus dem Heere wurde nicht nur aufgegeben, sondern im Jahre 1845 sogar die Heerespflicht auch auf die Provinz Posen ausgedehnt, wo sie bis dahinnoch nicht vorhanden gewesen mar. Ein Zweites Mal appellierte Ludwig Philippson an alle jüdischen Gemeinden Preußens, als im Jahre 1856 das, was im Verwaltungswege längst bewirkt wa^, der Ausschluß der Juden von allen öffentlichen Aemtern, gesetzliche Sanktion erhalten sollte. Mit einer von 300 jüdischen Gemeinden Unterzeichneten Petition an das Abgeordnetenhaus brachte es Ludwig Philippson dahin, daß der von dem KreuZ-Zeitungs-Wagener eingebrachte Antrag von dem Abgeordnetenhause mit allen gegen 30 Stimmen abgelehnt wurde. Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, wie im Jahre 1858 Prinz Wilhelm von Preußen als Regent auf den Plan trat und bald darauf die „Neue Aera" anbrach, die der Herrschaft der Kamarilla ein Ende machte und auch für die preußischen Juden bessere Verhältnisse schuf. Diese sind zwar nicht vollständig erhalten geblieben, aber das Uebriggebliebene berechtigt doch zu der Hoffnung, daß der Anspruch der Juden Preußens auf Gleichberechtigung nie wieder so angerastet werden wird, wie in jener geschilderten Zeit, die nicht nur für die Juden, sondern für die ganze preußische Monarchie verhängnisvoller war als selbst die Zeit nach der schrecklichen Niederlage von Jena. — Reicher Beifall belohnte diese Ausführungen; dann widmete der Vorsitzende der Gruppe dem Vortragenden Worte herzlicher Anerkennung, denen sich der erste Vorsitzende des Central- Vereins-Vorstands,HerrRechtsanwalt vr.Horwitz anschloß, indem er in Zündender Ansprache darauf hinwies, wie die von einem berufenen Historiker gebotene Schilderung einer tieftraurigen Zeit vieles geboten habe, aus dem man für unsere Zeit lernen könnte und sollte. Der Vortrag habe gezeigt, wie es der Eintracht und der selbstbewußten Kraft stets gelingt, sich durchzuringen, wie aber auch das Recht sich doch schließlich immer Bahn bricht trotz aller List der Widersacher, wenn sich Männer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.