Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 49 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 49 kundgeben. Zu der sie leider noch gar keinen Grund haben. Der Berliner Korrespondent eines judenfeindlichen Wiener Blattes verleiht den Gefühlen der antisemitischen Fronde folgenden Ausdruck: „Welche Erwartungen wurden nicht auf Kaiser Wilhelm seitens des deutschen christlichen Volkes gesetzt, als er den Thron bestieg. Mit lebhafter Freude wurde es begrüßt, als von dem Organ der preußischen Freimaurer erklärt wurde, daß der Kaiser ein „unbesiegbares Vorurteil gegen die Freimaurerlogen" habe; man hoffte, daß nunmehr für immer mit der verjudeten Freimaurerei gebrochen werde, die gleiche Hoffnung hegte man betreffs der Juden selbst. Chlodwig Hohenlohe schrieb in seinen „Denkwürdigkeiten" im Jahre 1888, daß der Kaiser die Semiten nicht protegiert. Und was sehen wir heute? Die Semiten werden protegiert und sogar in Regierungsämter an leitende Stellen berufen. Die Parole der bürgerlichen Parteien muß sein: dem Kaiser, was des Kaisers, aber auch dem Volke, was des Volkes ist." — Das von dem ehemaligen Hofprediger Stöcker begründete und geleitete BlaU „DasReich", dessen ganZeTendenz darauf hinausläuft, die Deutschen nach ihrem christlichen und jüdischen Bekenntnis zu „differenzieren", richtet trotzdem an die allerhöchste Stelle den kaum mißzuverstehenden schweren Vorwurf: „Am allerwenigsten berechtigt aber der landesherrliche Summepiskopat, das unglückliche „Notdach" aus schwerer Kampfzeit, zur Differenzierung der Christen." Außerdem bezeichnet es das Blatt als „Pflicht der christlichen und patriotischen Presse, unbekümmert ob man sie hört oder nicht hört, in jedem Einzelfall an den Kaiserreden eine ehrerbietige, aber unzweideutige Kritik zu üben." Die Kritik aber, die Z. B. in den „Deutsch-sozialen Blättern" Liebermanns am 26. November in dem „Unwahrscheinliche Optimisten" überschriebenen Artikel an der „Schwarzstherrede von Breslau" und der „Optimismus-Pauke von München" geübt wird, ist recht unzweideutig und nichts weniger als ehrerbietig. Wenn man sich erinnert, wie glimpflich die von dem Grafen Pückler gehaltenen gotteslästerlichen Reden und begangenen Majestätsbeleidigungen beurteilt worden sind, begreift man die anderen Ungezogenheiten der „antisemitischen Lieblinge". Sollte schon die Erinnerung an jene trübe Stunde in der preußischen Geschichte, in der der „Romantiker auf dem Throne"