Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 50 (sequence 11)
- Language
- German
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50 Im deutschen Reich. den von verwöhnten Lieblingen rücksichtslos beseitigten Polizeipräsidenten v. Hinckeldey bitter beklagte, jedem Machthaber eine ernste Warnung vor den anspruchsvollen Gegnern jedes Kulrurfortschritts sein, so dürste das, was sich in der "neuesten Zeit in Rußland vollzieht, noch in höherem Grade geeignet sein, ernste Betrachtungen wachzurufen. Die Männer, deren Grundsatz lautet: „Und der König absolut, wenn er uns den Willen tut", sind zu allen Zeiten und überall nicht nur das Unglück der Staaten, sondern auch der Herrscher gewesen. Bon dem Philosophen Engel stammt das Wort: „Drei Lehren faß' ein Herrscher stets in's Herz: die erste, daß er nach Gesetzen herrscht, die zweite, daß er über Menschen herrscht, die dritte, daß er nicht für immer herrscht." Nur, wo Gesetz und Menschlichkeit, nicht aber wandelbare Volkslaunen oder die Rücksicht auf die sich als Stützen von Thron und Altar aufspielenden Führer einzelner Volksklassen für die Regierenden die Richtschnur des Handelns bilden, sind das monarchische Prinzip, die Volkswohlfahrt und der Nachruhm des Herrschers völlig gesichert. Im Zarenreiche verschließt man sich aber dieser Wahrheit beharrlich, weil die weitverzweigte Beamtenschaft mit Recht von einem zeitgemäßen und sich seiner Verantwortung vollbewußten Regiment den Verlust ungeheurer Pfründen und unkontrollierbarer Nebeneinnahmen befürchtet und ihren Einfluß auf den Zaren dazu mißbraucht, jeden, der der Mißwirtschaft steuern will, als einen staatsgefahrlichen Empörer hinzustellen und entweder durch Regierungsorgane oder durch den au'gestachelten Pöbel zu vernichten. Die Juden gelten ihnen samt und sonders als Revolutionäre, weil die erstrebte Gleichberechtigung die Macht der Intelligenz verstärken würde, die sie Grund zu fürchten haben. Den Zaren durch schmeichlerische Unterwürfigkeit, verbunden mit einschüchternden Drohungen vor der Revolution, in ihrem Banne haltend, verhindern sie die Durchführung des sehrbescheidenen Stolppinschen Resormprogramms, das auch eine Revision auf dem Gebiete der Judenfrage einschließt, durch offenbar bestellte Eingaben des „Verbandes der russischen Leute", in denen stets die Drohung wiederkehlt, daß eine Erweiterung der Rechte der Juden die Mltglieder des letztgenannten Verbandes zu Verbrechen. treiben würde. Das Volk werde in der ihm durch die