Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 47 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 47 richtige Weg sehr schwer zu finden zu sein, selbst wenn er öffentlich Blasphemien äußert. Nachdem er durch den Kapitänleutnant a. D. Graf Ernst zu Reventlow öffentlich für satisfakrionsunfähig erklärt worden war, sagte Pückler am 22. November in einer Versammlung im Artushof: »Kapitänleutnant a. D. Graf Reventlow hat mir den Vorwurf gemacht, dadurch, daß ich gesagt habe: »Der Hund ist nun endlich verreckt!" hätte ich die Familie Reventlow beleidigt. Ich erkläre nochmals, daß mir jede Beleidigung der Familie Reventlow ferngelegen hat. Wollen die Leute denn, daß ich mich mit der ganzen Familie schießen soll?! Wenn der Kapitäuleutnant a. D. Graf Reventlow durchaus schießen will, dann soll er sich mit dem kleinen Cohn schießen und den dabei ordentlich kitzeln; dann würde ihm das ganze deutsche Volk dankbar sein. Ich kann mich doch nicht wegen jeder Kinderei morgens, mittags und abends fortwährend mit der Familie Reventlow schießen. Im Jenseits wird der liebe Gott! es die Revemlows entgelten lassen, daß sie seinen Liebling, den Grafen Pückler, geärgert habend Wie selbst judenfeindliche Blätter über diesen ^göttlichen Liebling" denken, zeigt die Aeußerung der »Deutschen Zeitung" Friedrich Langes: »Daß Graf Pückler übrigens seine flammenden Reden vorher zuhause wörtlich auswendig lernt, ist letzthin mehrfach sestgestellt worden; ein Grund mehr, sie überhaupt zu verhindern. Mit der gottentflammten Begeisterung des Augenblickes, mit denen er seine rednerischen Entgleisungen zu rechtfertigen pflegt, ist es nichts — es bleibt nur die wohl vorbereitete Rüpelei übrig." Die freikonservative »Post" berichtet, daß den Sozialdemokraten, die künftig trotz aller Warnungen Pücklervorsammlungen besuchen, von den Kreiswahloereinen Disziplinarmaßregeln angedroht werden. Als Grund für diesen Beschluß sei angegeben worden, daß für eine im Gewerkschafrshause zu Charlottenburg abgehaltene Pückter- Versammlung Flugblätter verteilt wurden, in denen es u. a. hieß: »Wanderer, hier liegt ein Jude, Wanderer, sei heiter und geh' weiter"; »Kauft nicht bei Juden" usw. Während die Verwaltungsorgane in solchen Fällen von den ihr Zustehenden Befugnissen nur sehr zaghaft Gebrauch machen, selbst wenn wirtlich Aergernis erregt wird oder drohendes Unheil verhütet werden müßte, greifen sie zuweilen anderwärts ein, wo die Befugnisse sehr zweifelhafter Natur sind. Sie haben