Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 45 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 45 hegt unverkennbar wie diese die „rafseantisemitische" falsche Anschauung von der Unwirksamkeit des Sakraments der Taufe. Daß mitunter die Söhne getaufter Juden und auch diese selbst an ihrer neuen Religion eine ungerechte Kritik üben, geht die ihrer Religion treugeüliebenen Juden nicht das Geringste an. Glauben-treue Juden werden sich, weil sie Achtung vor ihren religiösen Einrichtungen verlangen, niemals schonungslose Aeußerungen über andere religiöse Institutionen gestatten. Wenn Taufe, christlicher Religionsunterricht und christliches Beispiel nicht eindringlicher auf Männer wirken, die vom Judentum abgefallen find, so enthalten wir uns darüber einer Meinungsäußerung, verbitten uns aber, daß man uns alle, die weder Fisch noch Fleisch sind, an die Rockschöße Zu hängen pflegt. Unbegreiflich bleibt es aber, warum trotzdem in neuerer Zeit die Bekehrungssucht der Missionare sich wieder in den verschiedensten Formen bemerkbar macht und die Herangelockren darüber hinweggetäuscht werden, daß sie durch den Abfall vom Glauben der Väter vielleicht einige materielle Vorteile, aber keine gesellschaftliche Gleichstellung erlangen, nach der in den meisten Fällen doch ihr ganzes Sinnen und Trachten geht. Während uns die rasseantisemitische Losung „Jude bleibt Jude!" als ein Lob gilt, wirkt sie auf die Abgefallenen als die bitterste Enttäuschung und in den Fällen, in denen der Uebertritt nur aus äußeren Gründen erfolgte, als wohlverdiente Strafe. Von derselben Seite, von der die angebliche Splitterrichterei der Juden gegeißelt wurde, ist diesen aber auch vorgeworfen worden, daß sie sich von den staatserhaltenden Parteien fernhalten und sich im politischen Leben überall der Opposition anschließen. Herr Or. Weiß fügt hinzu: „Für eine glanzvolle Machtentfaltung des deutschen Reiches, für den Ausbau unserer Flotte, für die Entwicklung unseres kolonialen Besitzes, für eine zielbewußte Ostmarkenpolirik wird man bei den Juden gemeinhin nur geringes Verständnis finden. Ihnen fehlt eben die Begeisterungsfähigkeit für deutsch-nationale Aufgaben." Der konservative Ankläger irrt; die von ihm vermißte Fähigkeit ist in jüdischen Kreisen reichlich vorhanden, nur die Möglichkeit fehlt, sie zu entfalten! Als der erste Jude Sitz und Stimme im österreichischen Reichsrat erhielt, sprach der Minister seine Verwunderung darüber aus, daß jener sofort Anschluß bei der Linken suchte. Treffend antwortete der Jude, „weil wir noch