Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 44 (sequence 5)
- Language
- German
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44 Im deutschen Reich. der der Redaktion der „Deutsch-Sozialen Blätter" so ^.einleuchtend" gewesen ist, daß sie den Artikel wörtlich abgedruckt und damit weiterverbreitet hat. Im Grunde hat aber dieser antisemitische„Leuchrturm"miL seinem Scheinwerfer durch einseitige Beleuchtung eines ganz vereinzelten Falles sittlicher Verirrung eines Juden keineswegs erzielt, „grelle Schlaglichter auf das sogenannte gute jüdische Familienleben" zu werfen, weil dieses so allgemein als vorzüglich anerkannt ist, daß eine tief bedauerliche Ausnahme nur die Regel bestätigt. Derartige Verfehlungen sind eben unter Juden so äußerst selten, daß ein Ausnahmefall von der antisemitischen Presse sogar eines ganzen Leitartikels wert gehalten wird, während sie ein ebenso schlimmes Delikt eines Andersgläubigen mit einer kurzen Notiz als abgetan betrachten würde. Wenn die „Fanale" zur Beleuchtung der sittlichen Verfehlungen in antisemitischen Kreisen Härten dienen müssen, dann würden recht grelle Schlaglichter auf das Familienleben von Männern gefallen sein, die der „Staatsbürger Zeitung" und den „Deutsch-Sozialen Blättern" weit näher standen als der pp. Ascher dem Judentum. Wir brauchen nur die Namen Wolf und Schneider in Wien, Hans Leuß, Leist, Peters, die Cousine des Herrn von Puttkamer und den Freiherrn v. Hammerstein zu nennen, der mit dem Hofprediger Stöcker sein Jahrhundert in die Schranken fordern, aber von seiner semitischen Flora Gaß doch nicht lassen wollte. Wie weit die Geschichte wahr ist, daß der ehemalige Pastor Krösell, als er bei einem Freunde übernachtete, wie Don Karlos nur irrtümlich in das Zimmer der Eboli, sich in die Stube einer Wirtschafterin verirrte und dort nur durch deren zottigen Wächter auf den Weg der Tugend gewiesen worden sein soll, ist nicht sestzustellm gewesen, weil eine Nachtlampe eben kein „Fanal" ist. Jedenfalls gilt von den meisten in antisemitischen Blättern angestellten Erörterungen über die jüdische Moral das Wort von dem „Splitter im Auge des Nächsten", und von dem, was sie als „Aufklärung" bezeichnen, der Satz ),IuU6N8 a non lucendo“! In der „Konservativen Monatsschrift" hat vor einiger Zeit vr.jur. Weiß den Juden „Splitrerrichtereien"und „schonungslose Verurteilung fremder Einrichtungen" vorgeworfen. Es darf vorausgesetzt werden, daß der Konservative Dr. Weiß es als eine Beleidigung auffassen würde, wenn man ihn wegen dieser unzutreffenden Behauptung den Antisemiten zuzählen wollte, aber er