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Im deutschen Reich · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. 43

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1907-01-01
Page
43 (sequence 4)
Language
German
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Rmschaa. 4L wird gerechnet werden müssen; denn auch auf diesem Gebiete der Verwaltung hat die von dem polnischen Dichter Henryk Sienkiewicz zu einem Romantitel benutzte uralte Frage: „Quo vadis?“ „Wohin gehst eine Liefe Bedeutung. Diese Frage ist jetzt in einer Weise aufgeworfen worden, die die öffentliche Meinung nicht nur vorübergehend beschäftigt, sondern die Leitung der Verwaltungsorgane davor warnen muß, in eine Sackgasse zu geraten. Dazu muß es schließlich führen, wenn gegen die jüdische Bevölkerung der Kollektiv-Begriff anders ausgelegt wird wie gegen andere.Bevölkerungsklassen. Wenn sich ein einzelner Protestant oder Katholik vergeht, wird kaum jemand daran denken, den Protestantismus oder den Katholizismus dafür verantwortlich zu machen; wenn jemand über diese Religionsgenossenschaften oder deren Einrichtungen sich herabwürdigend äußert, findet sich aber sofort eine gesetzliche Handhabe, den Betreffenden zur Rechenschaft zu ziehen. Für „die Juden" gibt es nur dann eine bestimmte Definition, wenn man das Vergehen eines einzelnen Juden Zur Verleumdung aller Angehörigen dieser Glaubensgenossenschaft gebrauchen will. Wenn jedoch gesetzlicher Schutz gegen einen Frechling gebraucht wird, der „die Juden" gröblich beschimpft, dann wird sofort angezweifelt, ob der Kreis der Beschimpften ein fest umschriebener sei; dann hat der Beleidiger die einzelnen sich beklagenden Juden, die er ja als höchst achtbar anerkennt, unmöglich gemeint; er hat wohl auch nur „bildliche" Redewendungen gebraucht, oder in dem guten Glauben gehandelt, daß un dem, was darüber oft gesprochen, geschrieben, oder gedruckt sei, doch etwas Wahres sein müsse. Bis eine Strafrechtsreform in dieser Sache Besserung verschafft, sollten Gerechtigkeitsgefühl und Anstand eine „Generalisierung" verhüten, die durchaus unangemessen ist. Die antisemitische Presse vertritt eine Sache von so niedrigem Charakter, daß sie für eine solche einfache Forderung kein Verständnis haben kann und darf. Die Mahnung, nicht zu verallgemeinern, richtet sich deshalb an andere Kreise, die gerade aus dem Treiben der Antisemiten die Folgerung ziehen sollten, wie ungerecht derartige Verallgemeinerungen sind. Unter der Ueberschrift „Ein Fanal" hat die „Staatsbürger-Zeitung" kürzlich als eine Probe der antisemitischen Generalisierungskunst einen Leitartikel gebracht,

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