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Im deutschen Reich · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. 31

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
Die russische Revolution und die russischen Juden
Date
1907-01-01
Page
31 (sequence 28)
Language
German
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Die russische Revolution und die russischen Juden. 3l mit dem Zaren überhaupt in Berührung kämen, um mit ihm Staatsfragen zu besprechen. Und der Kaiser an der Spitze des russischen Staates ist auch heute noch die entscheidende Gestalt. Ich bin überzeugt, daß die Entwickelung, die die russische Politik in den letzten Jahren genommen hat, und die sich als eine Fortsetzung der Politik unter Alexander lil. darstellt, ganz wesentlich den Willen des Kaisers Nicolaus widerspiegelt, nicht in den Details, aber in den großen Linien. Man hat den Kaiser von Rußland als weichherzig geschildert, als eine timide Natur, die von ihrer Umgebung terrorisiert wird. Ich glaube nicht, daß diese Schilderung zutreffend ist. Es ist richtig, daß der russische Kaiser vollkommen abgeschlossen von der Außenwelt zu leben wünscht, aber weichherzig und timide ist er nicht. Er hat das Gefühl, er sei der Zar, er sei der Autokrat, und da er von der Welt, die ihn umgibt, nichts weiß, da er keine Vorstellung von den Leiden der Bevölkerung hat, von den unsäglichen Leiden der Millionen, da er kein Mitgefühl mit diesen Leiden empfindet, so erscheint ihm jeder, der sich unter sein autokratisches Szepter nicht beglückt oder wenigstens still beugt, als ein Verbrecher, gegen den man mit jedem Mittel Vorgehen kann; ich zweifle nicht, daß er durchaus abgeneigt ist, die russischen schwarzen Hunderte in ihre Schranken Zurückzuweisen. Ich glaube, er betrachtet jene, die Kinder geschlachtet, Frauen . geschändet, Männer erschlagen haben, als gute Patrioten, wohl zu verwerten für die russische Autokratie. (Lebhafte Ruse: Pfui!) Meine Damen und Herren! Wenn wir kühl in die Zukunft blicken, so werden wir mit der Tatsache zu rechnen haben, daß dieser Zar durchaus abgeneigt ist, seinem Volke ein verständiges Maß von Freiheit zu geben, um dem Vorbilde seines Großvaters folgend auch seinerseits ein Befreier zu sein. Er sieht nicht, daß die Millionen. durch unsägliches Leid und durch den Hunger in die Revolution hinein gepeitscht worden sind, sondern er sieht in seiner Abgeschlossenheit in diesen Kämpfern für erträgliche Lebensbedingungen nichts als Verräter. Und dieser Mann, der die entscheidende Gewalt für das politische wie für das wirtschaftliche Leben der russischen Millionen darstellt, der den unglücklichen japanischen Krieg mit seinen Tausenden von Verwundeten und Toten heraufbeschworen hat, der die Verantwortung dafür nicht ablehnen kann, wenn heute in großen Teilen Rußlands wieder Hungersnot herrscht, wenn

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