Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 30 (sequence 27)
- Language
- German
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80 Im deutschen Reich. Und nun, meine Damen und Herren, noch einige Worte über diese schwarzen Hundert — vielleicht wird man in einiger Zeit noch deutlicher sprechen können. Diese schwarzen Hunderte sind in der Bevölkerung die populäre Garde der zarischen Bureaukratie. Die Bureaukratie gibt überdies zum überwiegenden Teile die Offiziere für die schwarzen Hunderte her, und diese Bureaukratie, insbesondere auch die Polizei, benutz: die 8emlna civitatis, die ällerschlechtesten, verkommensten Elemente der Bevölkerung, zu den Hetzen, die sie veranstaltet hat, und zwar nicht nur gegen Juden, sondern gegen alle jene Elemente, die der zarischen Bureaukratie irgendwie im Wege stehen. Das Beachtenswerteste ist, daß diese russischen Hunderte gar nicht nach den russischen Ministern fragen, sondern ihre Verbindungen reichen höher hinauf, und ihre Stützpunkte sind fester. Sie können auch den Ministerien Holm sprechen, und sie tun es. Da muß ich denn das eine sagen, die russischen Minister, die ich kennen gelernt habe, sind weitblickender als es jene Kreise sind, die heute die tatsächliche Herrschaft in Rußland ausüben. Und das ist erklärlich; denn ein russischer Minister kennt wenigstens einigermaßen das Ausland; einige kennen es sehr gut, und ein russischer Minister kann einigermaßen überblicken, welche Folgen es in der zivilisierten Welt hat, wenn jene Massacres von Tartaren gegen Armenier, von Juden, von Finnen, von Letten, von Deutschen, überall in der Welt bekannt werden. Ein russischer Finanzminister kann mit dem französischen Fmanzminister sagen' ^Mt68-w0t de la bonne politique, et je vous ferai de bonnes finances. Er weiß sehr gut, daß die heutige russische Politik dazu führen muß, eine gute und auch nur eine erträgliche Finanzwirtschaft unmöglich zu machen. Aber diese russischen Minister sind zur Zeit nichts anderes als Administratoren der russischen Verwaltung. Schlecht und recht halten sie die russische Staatsmaschine im Gange, während die eigentlichen Impulse von dem Einen ausgehen, der sich Selbstherrscher nennt, und von jenen, die ihn umgeben, und solche Impulse setzen sich alsdann unmittelbar in Aktionen der Schwarzen Hunderte und der zarischen Verwaltung um. Einer der klügsten russischen Staatsmänner, die ich gesprochen habe, ein Mann, der dem russischen Kaiser oft genug und zu entscheidenden Zeitpunkten nahe getreten ist, gab mir die Versicherung, daß es vielleicht 16, höchstens 30 Personen seien, die