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Im deutschen Reich · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. 29

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
Die russische Revolution und die russischen Juden
Date
1907-01-01
Page
29 (sequence 26)
Language
German
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Die russische Revolution und die russischen Juden. 29 Damit komme ich zu der entscheidenden Frage. Wenn die russische Regierung, wie das von den verschiedensten Staatsmännern mir gegenüber zum Ausdruck gebracht worden ist, in der Tat der Ansicht ist, daß mit dem bisherigen System des Regierens gebrochen werden muß, und zwar nicht blos in Bezug auf die Juden, so sagt man sich: Ja, warum Lut man denn nichts? Ich hatte wiederholentlich Gelegenheit mit dem Minister Witte und mit dem jetzigen Premierminister Stolypin zu sprechen — von den andern Ministern, mit denen ich gesprochen habe, zu schweigen —■ also mit zwei Männern, die zu ihrer Zeit, der eine vor kurzem, der andere jetzt die Macht in Rußland in der Hand zu haben schienen. Diese beiden Herren haben sich in den allerschärfsten Ausdrücken über die verkehrte Gesetzgebung insbesondere auch in Bezug auf die Juden geäußert. Sie haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie es als verhängnisvoll zugleich für das russische Volk erachten, daß in der Weise, wie es geschehen ist, mit unseren Glaubensgenossen verfahren wurde und verfahren wird. Wenn ich mir alsdann die bescheidene Frage erlaubte: Ja, Excellenz, wenn Sie die Ursachen der schwierigen Zustände in Rußland nach einer Seite wenigstens — nach der Seite der Juden hin — so klar erkennen, warum handeln Sie nicht demgemäß? so sagte man mir mit einiger Verlegenheit: „Weil wir nicht können^. Von allen Hüllen entkleidet, sind die Worte, die man mir gesagt hat, so zu fassen: Wir können nicht, weil das russische Volk eine Wendung nicht will, weil wir befürchten, daß das russische Volk, wenn wir den Juden die volle Gleichberechtigung gäben, neue Massacres veranstalten würde- Wenn ich dann sagte, daß nach meiner Kenntnis der russischen Gesellschaft doch eine Judenfeindschaft im eigentlichen Sinne des Wortes, ein Antisemitismus dort gar nicht vorhanden sei, und wenn ich darauf hinwies, daß die Duma, daß die großen Versammlungen der Semstwos stets und ständig es proklamiert haben, daß alle russischen Staatsbürger vor dem Gesetz gleichgestellt werden müßten, so erwiderte man mit einiger Verlegenheit: Aber es gibt doch Elemente, die auf einem andern Standpunkt stehen. Das ist richtig. Es gibt Leute, die auf einem andern Standpunkt stehen, und diese Leute sind heutigen Tages die Stützen der russischen Regierungsgewalt in der Bevölkerung, — es ist das schwarze Hundert.

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