Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 28 (sequence 25)
- Language
- German
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28 Im deutschen Reich. genommen ist, wenn sie sich eine neue Flotte schaffen will, so wird das Milliarden erfordern. Und wenn sie daran geht, den Bauern das Land zu gewähren, welches notwendig ist, damit sie nicht verhungern, so wird das Milliarden erfordern. Und wenn sie daran gehen würde, diesem Reiche einen entsprechenden Schulunterricht zu geben, so würde das Millionen und Millionen erfordern. Wohin Sie blicken, sind ungeheure Aufwendungen nötig, und diese Regierung ist nicht in der Lage, jene Quellen zu erschließen, die ihr solche Aufwendungen gestatten würden. Die Hauptquelle ist aber vor allem die Erweckung von Vertrauen im eigenen Lande und in der zivilisierten Welt. Gerade in der letzten Zeit sind die russischen Renten, die russischen Papiere in die Höhe gegangen. Wer diese Dinge mit Aufmerksamkeit verfolgt, wie ich es tue, der ist sich über die Ursachen, aus denen dieses Steigen erfolgt keineswegs im Unklaren. Der Jahresschluß naht, und diejenigen, welche russische Papiere besitzen, müssen wenigstens die Illusion haben, daß ihr Besitz nicht allzu erheblich zurückgegangen ist; die Anleihe, die mit 86 herausgekommen ist, darf nicht 70 notieren, sie muß sich wieder der 80 wenigstens nähern. Illusionen müssen erregt werden, um diese Kreise mit dem Wunsche zu erfüllen, sich neuen Finanzoperationen der russischen Regierung geneigt zu zeigen. Und wirklich, die russische Regierung — ich habe hierüber Nachrichten — macht die größten Anstrengungen, um für den nächsten Februar eine neue Anleihe in Frankreich abzuschließen — vielleicht unter Beihilfe von Deutschland — und zwar voraussichtlich im Betrage von 700 Millionen Franks, ein Betrag, den ich für viel, viel zu niedrig halte, um das Defizit von 1907 zu decken. Jedesmal, wenn eine neue Anleihe herannaht, zeigen sich auch konstant gewisse andere Erscheinungen: die russische Regierung erklärt, sie sei zwar nicht in der Lage, die Judenfrage sogleich zu lösen, aber sie sei bereit, wenigstens Erleichterungen eintreten zu lassen. Dieses Spiel wird fortgesetzt, bis die neue Anleihe abgeschlossen ist, und wenn die neue Anleihe abgeschlossen vorliegt, dann bleibt in dem heiligen Rußland alles so, wie es gewesen ist. (Bewegung^ Ich zweifle keinen Augenblick daran, daß das, was sich wiederholentlich ereignet hat, sich auch im nächsten Jahre nach dem Willen der russischen Regierung von neuem zutragen soll.