Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 26 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316755-2337669--15909-2337741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
26 Im deutschen Reich. Das bedeutet, daß jenen Elementen — Juden und Christen, und in ihrer überwiegenden Anzahl in dem riesigen russischen Reiche natürlicherweise Christen — die heute um eine bessere Existenz kämpfen, die um ihr Leben und um ihre geistige Entwicklung ringen, dieser Kampf auf das äußerste erschwert, der Sieg aus eine gewisse Spanne Zeit vielleicht unmöglich gemacht wird. Wer das tut, wer dazu hilft, der stellt sich meiner Ansicht nach, obgleich er mit allen äußeren Attributen der Zivilisation ausgestartet sein mag, außerhalb der Zivilisation. (Lebhaftes Bravo und Händeklatschen). Ich kann nun mirreilen, daß zwei unserer Glaubensgenossen, die auf dem Gebiete des Handels und der Finanzen eine allererste Stellung einnehmen, sich in einer Weise den Verlockungen der russischen Regierung gegenüber verhalten haben, die die allerhöchste Anerkennung verdient (Bravo!); und das sind Jakob H. Schiff in New-Iork und Lord Rothschild und sein Haus in London. (Stürmischer Beifall.) Es wird wohl einmal, so nehme ich an, klargestellt werden können, in wie großartiger, hochherziger Weise, mit welcher Noblesse diese Männer jede Verführung, die sich an sie heranwagte, zurückgewiesen haben. Ich muß sagen, es wäre wünschenswert, wenn dieses Vorbild, das von Juden geübt wird und zwar nicht nur in ihrer Eigenschaft als Juden, sondern in ihrer Eigenschaft als Kulturmenschen und als Angehörige der europäischen Zivilisation — wenn es Nachahmung in allen Kreisen unserer Glaubensgenossen und in den christlichen Kreisen fände (Lebhafter Beifall), und gewiß in jenen christlichen Kreisen, die eine große jüdische Familienvergangenheit hinter sich haben, die, wenn ihr Name genannt wird, stets die Erinnerung an einen der edelsten Deutschen, der je gelebt hat, wachrufen und an einen der größten Deutschen, der je lebte, an Gotthold Ephraim Lessing und an seinen jüdischen idealgesinnten hochstehenden Freund — Sie wissen, welchen Namen ich weine: Mendelssohn. (Lebhafter Beifall.) Ich glaube, meine Damen und Herren, es ist ein Gebot des Anstandes, daß man sich an einer russischen Anleihe nicht beteiligt, aber ich bin der Ansicht, es ist auch ein Gebot der Klugheit und ein Gebot deutscher Nalionalpflicht; denn ich zweifle gar keinen Augenblick daran, daß dieses russische Reich, in der Weise weiter regiert wie bisher, nicht nur politisch,