Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 25 (sequence 22)
- Language
- German
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Die russische Revolution und die russischen Juden. 25 Aber ich glaube doch nicht, daß wir gezwungen sind, die Hände vollkommen in den Schoß zu legen. Es gibt eine Solidarität der Zivilisation. In diesem abendländischen Leben kann sich kein einzelner Staat isolieren, und Rußland kann sich am allerwenigsten isolieren. Rußland ist auf die Kräfte der Zivilisation angewiesen, vor allem auf jene, die sich in den Barmitteln der europäischen und amerikanischen zivilisierten Welt konzentriert haben. Und in der Tat, immer von neuem sucht Rußland Anleihen abzuschließen. Die erste Frage ist: wie hat sich die zivilisierte Welt solchen Versuchen, neue Anleihen abzuschließen, gegenüber zu stellen? Man kann sagen, Geld verdienen ist in jedem Falle Ausgabe des Kaufmannes; und wenn man sich auf diesen Standpunkt stellt, dann wird man eher geneigt sein, Rußland neue Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Aber ich glaube doch, baß bei der heutigen Zivilisation dieser Standpunkt bereits im wesentlichen überwunden ist oder doch überwunden fein sollte. Der achtbare Kaufmann steht nicht auf dem Standpunkte, daß jedes Geschäft, das Geld einbringt, ein ehrliches Geschäft ist. Wir kennen unehrliche Geschäfte; und wir behandeln denjenigen, der diese unehrlichen Geschäfte macht, gesellschaftlich mit Verachtung; er wird boykottiert. Diese Empfindung zur weiteren Ausbildung zu bringen, das liegt im höchsten Interesse der Zivilisatron. Es kann aber als ein ehrliches. Geschäft, als das Geschäft eines honetten Kaufmannes nicht gelten, wenn er Mittel zur Verfügung stellt, damit eine barbarische Regierung ihr barbarisches Regiment über ein großes, unterdrücktes, gepeinigtes Volk noch eine zeitlang aufrecht zu erhalten in der Lage ist. (Lebhafter Beifall und lang anhaltendes Händeklatschen.) Und wenn die großen Anleihegefchäfte vor allen Dingen von der bunte finance abgeschlossen werden, so sollten diese Kreise dabei inbetracht Ziehen, daß „baute-- auch einen hohen Gesichtspunkt und eine hohe Anschauungsweise inbezug auf das verlangt, was man tun und laffen darf. (Sehr richtig! und Beifall.) Und nun, meine Damen und Herren, wenn man von diesen Voraussetzungen ausgeht, so muß man sagen, daß nichts Schlimmeres in der Zivilisation geschehen kann, als wenn neue Geldmittel dieser russischen Regierung, die ich mir zu schildern erlaubt habe, zur Verfügung gestellt werden. (Sehr richtig!)