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Im deutschen Reich · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. 24

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
Die russische Revolution und die russischen Juden
Date
1907-01-01
Page
24 (sequence 21)
Language
German
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24 Im deutschen Reich. wir dürfen uns über die harte Tatsache nicht in Wohlgefälligkeit hinwegsetzen, daß das riesenhafte Problem, das die russische Judenfrage darstellt, mit Humanitären Mitteln nie und nimmer gelöst werden kann. Es ist unmöglich, mit dem, was in der Welt gespendet wird, 6 Millionen Menschen in eine glücklichere Lage zu versetzen: und eine glücklichere Lage für die Juden würde heute nur bedeuten können, daß sie aus Rußland herausgebracht werden, daß sie expatriiert werden. Um 6 Millionen Menschen Zu expatriieren, dazu fehlt das Geld, und dazu fehlt das Land, wo man diese Bölkerwayderung unterbringen könnte. So müssen wir uns denn "darüber klar sein, daß durch humanitäre Mittel ganz gewiß nicht durchgreifend geholfen werden kann. Humanitäre Mittel können das Unglück lindern. Aber die jüdische Frage, die die tiefsten Tiefen unseres östlichen Nachbarreiches bewegt, die unlösbar mit der Gesamtheit der russischen Probleme verknüpft ist, kann nur durch politische Mittel gelöst werden. Damit komme ich zu dem letzten Teile meiner Ausführungen. Welche politischen Mittel stehen uns als deutschen Juden zur Verfügung? Wir sind mit unserer Regierung vollkommen eines Sinnes, daß eine Zu den letzten Konsequenzen bereite Einmischung des deutschen Reiches in die russischen Verhältnisse ein Unglück wäre. Aller Voraussicht nach ein Unglück für das deutsche Reich, aller Wahrscheinlichkeit nach ein Unglück für Rußland selbst und für unsere dortigen Glaubensgenossen; denn eine große Nation läßt sich nicht von außen beeinflussen, ohne stark zu reagieren. Ich bin ganz sicher, daß, wenn man versuchen würde, sei es in reaktionärem, sei es in freiheitlichem Sinne, in die russischen Verhältnisse einzugreifen, das russische Nationalgefühl aufflammen würde, daß es sich gegen jeden wenden würde, der versuchte, seine Hand nach Rußland hinüber Zu strecken. Ich sage infolge dessen, wir sollten mit unserer Staatsregierung darin übereinstimmen, daß das, was in Rußland zu geschehen hat, von Russen Zu geschehen hat; daß wir nicht in der Lage sind, mit staatlichen Machtmitteln dort einen offensichtlichen Druck auszuüben. Das sind die Gesichtspunkte gewesen, die Fürst Bülow erst vor wenigen Tagen ausgesprochen hat, und sie müssen auch, wie ich glaube, die unsrigen sein.

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